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Wer in der lukrativen IT-Branche arbeitet, hat derzeit gut lachen: Die Branche wächst mit unverminderter Geschwindigkeit. Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von über 125 Milliarden Euro erwartet. Im Vergleich zum Vorjahr wäre das ein Plus von mehr als 6 Prozent.

Wachstumsfaktor Softwaremarkt

Softwareentwickler können sich derzeit vor Jobanfragen kaum retten. Dies wird auf absehbare Zeit so bleiben. Die Ausgaben für Software sollen bis 2023 um 9,3 Prozent steigen, prognostiziert der Branchenverband Bitkom.

Besonders stark wächst der Markt für Simulationssoftware, der im weltweiten Maßstab ein Volumen von mehr als 10 Milliarden Euro aufweist. Die jährliche Wachstumsrate liegt laut Wirtschaftsexperten bei über 11 Prozent.

Simulationssoftware wird längst nicht mehr nur zur Optimierung von Produktlinien, sondern auch zur Beschleunigung von Produktentwicklungen sowie zum Testen neuer Konzepte verwendet. Viele Unternehmen setzen inzwischen Simulationssoftware ein, um die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften nachzuweisen.

Steigende Ausgaben für Hardware

Neben der Softwarebranche verzeichnet auch die Hardwareindustrie steigende Absatzzahlen. Im Bereich der digitalen Unterhaltungselektronik lässt sich sogar von einem Boom sprechen. Die Mehrzahl der Unternehmen verzeichnet steigende Verkaufszahlen. Auch der Mobilfunk entwickelt sich zu einem Wachstumsmotor, wie Marktbeobachter berichten.

Bereits im vergangenen Jahr lagen die Ausgaben für Hardware oberhalb der Schwelle von 35 Milliarden Euro. Für 2023 sagen Experten ein Wachstum um mehr als 5 Prozent voraus. Treffen alle Vorhersagen ein, wird in diesem Jahr die Grenze von 40 Milliarden Euro knapp unterschritten.

Nicht ganz so stark, aber dennoch beachtlich sind die prognostizierten Zuwächse im Bereich der TK-Infrastruktur und der TK-Endgeräte. Hier rechnen Wirtschaftsexperten mit einem Anstieg von 2,5 bzw. 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was die Investitionen in TK-Dienste betrifft, stagnieren die Zahlen: Wie 2022 wird auch in diesem Jahr wieder ein Gesamtvolumen von 49,7 Milliarden Euro erreicht.

Lediglich die Unterhaltungselektronik, einst das Zugpferd der Hardwarebranche, muss in diesem Jahr erneut Federn lassen. Für die Umsätze in dieser Sparte wird ein rückläufiges Marktvolumen prognostiziert. Schenkt man den Vorhersagen der Experten Glauben, werden in diesem Jahr 7,6 Mrd. Euro mit dem Verkauf von Spielkonsolen, TV-Geräten, DVD-Playern und anderen Produkten umgesetzt.

Deutschland ist noch immer unternehmerfeindlich

Im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gilt Deutschland noch immer als unternehmerfeindlich. Innovative Firmen wie Adobe, die praktische Online-Tools bereitstellen, mit denen sich zwei PDF-Dateien zusammenführen lassen, haben es hierzulande schwer. Überbordende Bürokratie und langwierige Genehmigungsverfahren machen Investitionen für viele Firmen zu einem echten Kraftakt.

Bereits im Jahr 2021 verlor Deutschland aus der Sicht ausländischer Investoren an Anziehungskraft. Die Zahl der Investments sank in diesem Jahr spürbar. In benachbarten europäischen Ländern zeigte das Barometer dagegen nach oben. Insbesondere in den größeren Staaten wurden mehr Investitionen getätigt. In der Bundesrepublik sank die Zahl der Investitionen um rund 10 Prozent. Insgesamt wurden im Jahr 2021 rund 800 Projekte realisiert.

Abstieg im Hightech-Sektor

So erfolgreich die IT-Branche derzeit ist – im wichtigen Hightech-Sektor liegt vieles im Argen. Laut einer Studie kommen Spitzentechnologieprodukte immer öfter aus China, statt aus der Bundesrepublik. Auf lange Sicht kann dies den Wohlstand Deutschlands gefährden, mahnen Experten wie Julian Olk und Joachim Hofer vom Handelsblatt.

Als Beispiel führen die Redakteure die Firma Siltronic an, die vor rund 50 Jahren im oberbayerischen Burghausen ins Leben gerufen wurde. Das Traditionsunternehmen hat sich von Deutschland abgewandt und orientiert sich zunehmend in Richtung Fernost. In Singapur werden derzeit umgerechnet 2 Milliarden Euro in eine neue Fabrik investiert.

Die größte Investition der Firmengeschichte soll die Marktposition im Bereich der Herstellung von Silizium-Chips stärken. Pikant ist, dass Siltronic derzeit der einzige Hersteller dieses wichtigen Vorprodukts der Halbleiterindustrie ist. Und es kommt noch dicker: Schon bald könnte ein taiwanesischer Konkurrent Siltronic übernehmen. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg kürzlich meldete, hat Global Waters angekündigt, Siltronic aufzukaufen.

Immer weniger Chips aus Deutschland

Die Hochtechnologie, einst der Vorzeigesektor Deutschlands, befindet sich nicht erst seit gestern auf dem absteigenden Ast. Bereits seit 1990 sinkt der Anteil der exportierten Waren in diesem bedeutenden Wirtschaftsbereich kontinuierlich. Eine Studie der bundeseigenen Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI) zeigt, dass sich der Marktanteil Deutschlands seit der Wende nahezu halbiert hat.

Die Investitionen in klassischen Hightech-Branchen wie dem Maschinenbau sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Ein wichtiger Faktor war die abebbende Corona-Krise, die die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft stark gebremst hat. Die Ausgaben für Entwicklung und Forschung sanken 2020 um 6,3 Prozent – so stark wie in keinem anderen europäischen Land, wenn man von Italien absieht.

Ministerin Stark-Watzinger: Deutschland bleibt Innovationsland

Ungeachtet der alarmierenden Zahlen aus dem Hightech-Sektor sagte die Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) vor Pressevertretern, dass Deutschland Innovationsland bleibe. Gleichzeitig äußerte sich die Politikerin besorgt über den Rückgang im Bereich der Innovationsausgaben. Es deute sich jedoch eine Trendwende an, so die Vorsitzende der hessischen FDP.

Mit der „Zukunftsstrategie Forschung und Innovation“ will die Ministerin ein ressortübergreifendes Fundament schaffen, um die Anstrengungen der Regierung zu bündeln. Die Technologieführerschaft in Schlüsseltechnologien soll verteidigt werden. Die neue Strategie ersetzt die „Hightech-Strategie 2025“, die noch von den Vorgängerregierungen entwickelt und implementiert wurde.

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