Stuttgart. Baden-Württemberg unterstützt ein Gemeinschaftsprojekt zur Entwicklung von Robotik-Simulationen mit rund einer Million Euro aus europäischen Mitteln. Das Projekt „Roboter-Simulacrum“ soll insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen ermöglichen, robotische Lösungen kostengünstig zu testen, bevor sie diese in ihre eigenen Produktionsprozesse integrieren.
Die Förderung stammt aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und ist Teil der EU-Initiative „Strategische Technologien für Europa“ (STEP), die im März 2024 gestartet wurde. Projektpartner sind das Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe und die Hochschule der Medien Stuttgart (HdM).
Dirk Meyer (kai)
Das Innovation im Fokus: Mit Gaming-Technologien arbeiten
Das zentrale Besonderheit des Vorhabens liegt in der Verbindung von Robotik mit sogenannten Digitalen Zwillingen und Gaming-Technologien. Statt auf maximale physikalische Genauigkeit zu setzen, nutzen Game-Engines eine vereinfachte, aber realistische Darstellung der Wirklichkeit. Dieser Ansatz macht Robotik-Simulationen deutlich benutzerfreundlicher und schneller zugänglich als spezialisierte professionelle Simulationssoftware.
Das Konzept adressiert ein zentrales Problem: Viele Unternehmen scheuen die hohen Kosten und die Komplexität beim Einstieg in Robotik. Eine intuitive Simulation, die auf etablierter Gaming-Software basiert, senkt diese Hürden erheblich.
Breitenwirkung durch Open Source und Gaming-Community
Die im Projekt entwickelten Lösungen werden der Gaming- und Open-Source-Gemeinschaft zur Verfügung gestellt. Dadurch sollen neue Synergien entstehen – insbesondere im Bereich der Serious Games, also spielerischer Anwendungen mit ernsthaftem Lernzweck. Diese Herangehensweise ermöglicht es auch kleineren Softwareentwicklern und Startups, auf die entstehenden Technologien zuzugreifen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Die offene Verfügbarmachung der Technologie folgt dem strategischen Ziel der EU, technologische Abhängigkeiten von Drittstaaten zu reduzieren. Durch die Unterstützung europäischer Eigenentwicklungen sollen Wettbewerbsfähigkeit und digitale Souveränität gestärkt werden.
Baden-Württemberg als Innovations-Standort
Das FZI Karlsruhe bringt langjährige Erfahrung in der Entwicklung mobiler Robotersysteme mit, während die HdM Stuttgart für ihre Kompetenz in Human-Centered Design, Experience Design und Game Design bekannt ist. Diese Kombination macht Baden-Württemberg zu einem zentralen Ort für die Robotik-Innovation in Deutschland.
Baden-Württemberg erhält in der laufenden EU-Förderperiode 2021–2027 insgesamt rund 279 Millionen Euro aus dem EFRE für regionale Strukturförderung. Das „Roboter-Simulacrum“-Projekt reiht sich damit in eine breitere Strategie ein, um Zukunftstechnologien, Ressourcenschutz und digitale Kompetenzen auszubauen.
Die Initiative trägt zur Umsetzung der HighTech-Agenda Baden-Württemberg bei, die den Wirtschaftsstandort durch Investitionen in Forschung und Entwicklung stärken soll. Mit dem Roboter-Simulacrum wird kleinen und mittleren Unternehmen ein werkzeuggestützter Einstieg in die Automatisierung ihrer Prozesse ermöglicht – eine Voraussetzung für ihre digitale Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren.

