Deggingen / Kreis Göppingen. Vier Jahrzehnte nach dem gewaltsamen Tod einer 31-jährigen Frau im Kreis Göppingen hat die Justiz einen Tatverdächtigen in Untersuchungshaft genommen. Der 70-jährige Mann aus dem Raum Biberach soll das Opfer im Februar 1985 nach einem Sexualdelikt getötet haben.
Dirk Meyer (kai)
Der Fall gilt als einer der aufsehenerregenden ungelösten Mordfälle der Region: Am 10. März 1985 entdeckten Spaziergängerinnen nahe Deggingen am Albtrauf, im Gewann Winterhalde, eine Frauenleiche neben einem Waldweg. Die Tote war unbekleidet und an den Beinen mit einem Büstenhalter gefesselt. Eine rechtsmedizinische Untersuchung ergab, dass der Oberkörper und der Kopf des Opfers mit massiver Gewalt traktiert worden waren – das Verletzungsbild ähnelte dem eines Überrollens durch ein Kraftfahrzeug. Bei der Frau handelte es sich um eine 31-jährige, ledige und wohnsitzlose Küchenhilfe. Der Fall erregte damals erhebliches öffentliches Interesse.
Neue Ermittlungsgruppe nimmt Cold Case neu auf
Jahrzehntelang blieb der Mord ungeklärt. Eine eigens eingerichtete Ermittlungsgruppe beim Kriminalkommissariat Göppingen, intern als „Ermittlungsgruppe Oberberg“ bezeichnet, nahm in jüngerer Zeit die Akten erneut unter die Lupe. Bei der systematischen Neuauswertung der vorhandenen Ermittlungsunterlagen stießen die Beamten auf neue Hinweise. Eine entscheidende Rolle spielte dabei eine DNA-Spur, die bereits 1985 am Tatort gesichert worden war und nun mit modernen Methoden erneut ausgewertet werden konnte. Die Ermittlungen führten schließlich auf einen heute 70-jährigen Mann, der in einem Teilort der Gemeinde Schwendi im Landkreis Biberach lebt.
Hausdurchsuchung mit Spezialtechnik im November 2025
Am 6. November 2025 durchsuchten rund zwanzig Kräfte der Kriminalpolizei Ulm, unterstützt durch Spezialkräfte des Polizeipräsidiums Einsatz, das Wohnanwesen des Mannes aufgrund eines richterlichen Beschlusses. Zum Einsatz kamen dabei unter anderem ein Spezialfahrzeug sowie eine Sonde zur Ortung von Hohlräumen. Dabei wurden zahlreiche Beweismittel sichergestellt, die anschließend von der Kriminalpolizei Göppingen ausgewertet wurden. Der Mann wurde noch am selben Abend wieder auf freien Fuß gesetzt.
Haftbefehl im April 2026 vollstreckt
Die Auswertung der sichergestellten Gegenstände, ein ergänzendes rechtsmedizinisches Gutachten sowie die Gesamtschau aller Beweismittel erhärteten den Verdacht gegen den 70-Jährigen in den folgenden Monaten erheblich. Am 14. April 2026 nahmen Beamte der Kriminalpolizei Ulm den Mann widerstandslos in seinen Wohnräumen fest. Noch am selben Tag wurde er dem zuständigen Haftrichter beim Amtsgericht Ulm vorgeführt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Ulm ordnete das Gericht Untersuchungshaft wegen des Verdachts des Mordes an.
Die Staatsanwaltschaft Ulm und die Kriminalpolizei Göppingen gehen nach aktuellem Ermittlungsstand davon aus, dass der Tatverdächtige die Frau tötete, um eine zuvor begangene Sexualstraftat zu verdecken. Die Ermittlungen dauern an.

