Im Zoologisch-Botanischen Garten Stuttgart ist erneut Nachwuchs bei den Koalas zu beobachten, dessen erste Bewegungen im Beutel der Mutter sichtbar geworden sind. Das Jungtier wurde bereits im Frühsommer geboren und erreicht nun eine Entwicklungsphase, in der es sich gelegentlich außerhalb des Beutels zeigt.
Dirk Meyer (kai)
Die Wilhelma bestätigt damit einen weiteren Zuchterfolg innerhalb ihrer Australienwelt, die seit ihrer Eröffnung regelmäßig Koalas beherbergt und an einem internationalen Erhaltungsprogramm beteiligt ist.
Geburt und frühe Entwicklung
Nach Angaben des Zoologisch-Botanischen Gartens kam das Koala-Jungtier Ende Juni zur Welt. Wie für Beuteltiere typisch, verlief die Geburt weitgehend unbemerkt, da neugeborene Koalas nur wenige Gramm wiegen und unmittelbar nach der Geburt in den Beutel der Mutter kriechen. Dort verbringen sie die ersten Monate ihres Lebens geschützt und für Besucherinnen und Besucher unsichtbar.
Erst nach etwa fünf bis sechs Monaten beginnt diese Entwicklungsphase, in der einzelne Körperteile wie Füße oder Kopf zeitweise aus dem Beutel hervorragen. Dieser Zeitpunkt ist nun erreicht, sodass das Jungtier mitunter kurz zu sehen ist, ohne den Beutel dauerhaft zu verlassen. Bis zur vollständigen Eigenständigkeit vergehen jedoch weitere Wochen, in denen das Jungtier weiterhin auf die Versorgung durch die Mutter angewiesen bleibt.
Herkunft der Elterntiere
Die Mutter des Jungtiers ist die fünf Jahre alte Koala-Dame Auburn, der Vater ist das sieben Jahre alte Männchen Aero. Das Geschlecht des Nachwuchses steht derzeit noch nicht fest. Beide Elterntiere stammen aus Nachzuchten der Dreamworld Wildlife Foundation in Australien, ebenso wie alle erwachsenen Koalas, die derzeit in der Wilhelma gehalten werden.
Die Haltung erfolgt im Rahmen eines koordinierten europäischen Ex-situ-Zuchtprogramms, das darauf abzielt, eine stabile Reservepopulation außerhalb des natürlichen Lebensraums aufzubauen. Die Geburt des Jungtiers wird in diesem Zusammenhang als Teil der regulären Zuchtbemühungen gewertet und dokumentiert.
Bedeutung für den Artenschutz
Koalas gelten in Australien nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet. Hauptursachen für den Rückgang der Bestände sind der fortschreitende Verlust von Lebensräumen durch Abholzung und Bebauung sowie die zunehmende Häufigkeit von Busch- und Waldbränden infolge klimatischer Veränderungen. Hinzu kommen Gefährdungen durch den Straßenverkehr und Angriffe von Haushunden, insbesondere in der Nähe menschlicher Siedlungen.
Für den Bundesstaat Queensland wird davon ausgegangen, dass die dortige Koalapopulation seit der Jahrtausendwende um mehr als die Hälfte zurückgegangen ist. Vor diesem Hintergrund kommt der Haltung und Zucht von Koalas in zoologischen Einrichtungen außerhalb Australiens eine wachsende Bedeutung zu. Die Tiere dienen sowohl der Erhaltung genetischer Vielfalt als auch der Vermittlung von Informationen über die Bedrohungslage der Art.
Stellung der Wilhelma im deutschen Zoobestand
Der Zoologisch-Botanische Garten Stuttgart zählt zu einer kleinen Zahl von Einrichtungen in Deutschland, in denen Koalas gehalten werden. Bundesweit sind es lediglich vier Zoos, die die auf Eukalyptus spezialisierten Beuteltiere zeigen. Seit der Eröffnung der Australienwelt gehören die Koalas zu den regelmäßig präsentierten Arten in der Wilhelma.
Mit dem aktuellen Nachwuchs setzt sich eine Reihe erfolgreicher Zuchtereignisse fort, die im Rahmen der europäischen Zusammenarbeit erfasst werden. Das Jungtier verbleibt zunächst weiterhin im Beutel der Mutter, während seine Entwicklung fortlaufend beobachtet wird.

