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Stuttgart. Rund 2,3 Millionen Menschen in Baden-Württemberg hatten im vergangenen Jahr nicht die finanziellen Mittel, um eine Woche Urlaub zu machen. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, von denen mehr als ein Drittel auf eine Urlaubsreise verzichten musste.

Dirk Meyer (kai)

Die Zahlen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg basieren auf der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) für das Jahr 2024. Sie zeigen, dass etwa ein Fünftel der Bevölkerung – genauer 20,3 Prozent – sich keine einwöchige Urlaubsreise leisten kann. Dies ist nur ein leichter Rückgang gegenüber 2023, als der Anteil noch bei 20,8 Prozent lag.

Entwicklung der Urlaubsunfähigkeit in den letzten Jahren

Vor vier Jahren lag der Anteil der Menschen, die sich keinen Urlaub leisten konnten, bei rund 17 Prozent. Seit 2022 stagniert die Zahl knapp über der 20-Prozent-Marke. Damit hat sich an der Situation für viele Menschen in Baden-Württemberg über die letzten Jahre kaum etwas grundlegend verändert.

In absoluten Zahlen bedeutet dies für 2024, dass 2,293 Millionen Menschen in Baden-Württemberg nach eigenen Angaben finanziell nicht in der Lage waren, eine Woche Urlaub zu verbringen. Im Vergleich zu 2023 (2,350 Millionen) ist dies eine leichte Abnahme.

Unterschiede nach Haushaltstypen

Die Belastungen sind nicht gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt. Alleinerziehende sind mit einem Anteil von 36,6 Prozent besonders stark betroffen. Das entspricht 189.000 Menschen in diesem Haushaltstyp, die sich im Jahr 2024 keinen Urlaub leisten konnten. Im Vorjahr lag die Zahl bei 168.000 (40 Prozent), und 2022 sogar bei 180.000 (43,1 Prozent). Trotz der leichten Abnahme bleibt der Anteil der Urlaubsunfähigen in dieser Gruppe hoch.

Einpersonenhaushalte sind mit 27,6 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich betroffen, was einem leichten Rückgang gegenüber 2023 (28,3 Prozent) entspricht. Die Gruppe der Zwei-Erwachsenen-Haushalte ohne Kinder weist einen Anteil von 15,6 Prozent auf, nach 17,7 Prozent im Vorjahr.

Haushalte mit drei oder mehr Erwachsenen ohne Kinder konnten sich im Jahr 2024 mit 16,8 Prozent häufiger keinen Urlaub leisten als Zwei-Erwachsenen-Haushalte, zeigten jedoch einen Rückgang gegenüber 2023 (22,3 Prozent).

Bei Haushalten mit Kindern zeigen sich ebenfalls unterschiedliche Trends. Zwei Erwachsene mit Kindern haben mit 17,4 Prozent einen leicht höheren Anteil an Menschen ohne Urlaubsbudget als im Vorjahr (16,6 Prozent). Interessant ist der Anstieg bei Haushalten mit drei oder mehr Erwachsenen und Kindern: Dort stieg der Anteil von 20,5 Prozent im Jahr 2023 auf 26,8 Prozent im Jahr 2024.

Ursachen und gesellschaftliche Relevanz

Die Erhebung macht keine direkten Angaben zu den Ursachen, doch die anhaltend hohe Zahl der Menschen, die sich keinen Urlaub leisten können, weist auf eine nachhaltige wirtschaftliche Belastung vieler Haushalte hin. Die besonders hohe Betroffenheit Alleinerziehender könnte auf eine Kombination aus geringem Einkommen, fehlenden finanziellen Rücklagen und besonderen Belastungen in der Kindererziehung zurückzuführen sein.

Die Zahlen verdeutlichen, dass Urlaub als Indikator für finanzielles Polster und gesellschaftliche Teilhabe weiterhin für einen erheblichen Teil der Bevölkerung unerreichbar ist. Die Stabilisierung auf einem hohen Niveau von etwa 20 Prozent zeigt, dass trotz moderater Schwankungen keine Entspannung der Lage zu beobachten ist.

Datenbasis und Methodik

Die Daten stammen aus dem Mikrozensus, einer repräsentativen Haushaltsbefragung, die als Unterstichprobe im Rahmen der EU-Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (SILC) durchgeführt wird. Die Angaben beruhen auf Selbstauskünften der Befragten am Hauptwohnsitz und beziehen sich auf die Frage, ob im vergangenen Jahr eine einwöchige Urlaubsreise finanziell möglich war.

Kinder in den Daten sind als Personen unter 18 Jahren sowie wirtschaftlich abhängige junge Erwachsene bis 24 Jahre definiert. Die Zahlen berücksichtigen unterschiedliche Haushaltstypen und bieten so einen differenzierten Einblick in die soziale Verteilung der Urlaubsunfähigkeit.

Diese Daten bieten einen wichtigen Einblick in die finanzielle Lage vieler Menschen in Baden-Württemberg und verdeutlichen, dass eine Woche Urlaub trotz allgemeiner wirtschaftlicher Entwicklung für eine beträchtliche Bevölkerungsgruppe nach wie vor ein Luxus bleibt.

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