Eine Gepardin in der Wilhelma hat im April 2025 sechs Jungtiere zur Welt gebracht. Nach der anfänglichen Aufzucht hinter den Kulissen sind die Jungtiere mittlerweile in einem Außenbereich der Anlage zu sehen.
Dirk Meyer (kai)
Die Wilhelma in Stuttgart verzeichnet erneut erfolgreichen Nachwuchs bei ihren Geparden. Das sieben Jahre alte Weibchen Niara brachte Ende April 2025 sechs Welpen zur Welt. Die Geburt und die ersten Lebenswochen verbrachte Niara in einer Wurfbox hinter den Kulissen der Gepardenanlage, um ihren Nachwuchs zu schützen und eine ruhige Umgebung zu gewährleisten. Anfang Juni zog Niara ihre Jungtiere dann in einen geschützten Unterstand im Außenbereich der Anlage um. Dort sind die jungen Geparden inzwischen zu beobachten, wie sie vorsichtig die ersten Schritte außerhalb ihres Verstecks wagen.
Bereits im Jahr 2022 hatte die Wilhelma erfolgreich Gepardennachwuchs, als fünf Jungtiere geboren wurden. Diese sind mittlerweile ausgewachsen und haben in anderen europäischen Zoos eine neue Heimat gefunden. Ein wichtiger Faktor für den Zuchterfolg ist die artgerechte Haltung, die auf das natürliche Sozialverhalten der Geparden abgestimmt ist. Während Weibchen in freier Wildbahn meist einzelgängerisch leben, bilden Männchen häufig kleine Brüdergruppen. Nur zur Paarungszeit kommen die Geschlechter zusammen. Werden Weibchen und Männchen über längere Zeit zusammengehalten, besteht die Gefahr, dass sich eine eher geschwisterliche Beziehung entwickelt und keine Nachkommen entstehen.
Aus diesem Grund sind die Gepardenanlagen in der Wilhelma räumlich getrennt: Niara lebt allein in einer Anlage, während die beiden Brüder Zawadi und Haraka eine andere Anlage bewohnen. So konnte Niara bei einer Kontrolle trächtig festgestellt werden, was zur Geburt der gesunden Jungtiere führte. Niara und ihre Welpen leben in der ehemaligen Eisbär-Anlage, die in den vergangenen Jahren mit Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer der Wilhelma gepardengerecht umgestaltet wurde.
Historisch waren Geparden in weiten Teilen Afrikas, im Nahen Osten und sogar in Indien verbreitet. Heute hat sich ihr Lebensraum vor allem auf das östliche und südliche Afrika konzentriert. Im Sahelgebiet existieren nur noch wenige Hundert Tiere. Die asiatische Unterart gilt bis auf eine kleine Population im Iran als ausgestorben.
Der Wilhelma-Direktor unterstreicht die Bedeutung der Nachzucht in Zoos als Beitrag zum Artenschutz. Im Rahmen des Ex-Situ-Programms des Europäischen Zooverbands (EAZA) wird hier eine Reservepopulation aufgebaut, um die Art in menschlicher Obhut zu erhalten. Die Gefährdung der Geparden in freier Wildbahn resultiert neben dem Verlust ihres Lebensraums auch daraus, dass sie von Viehhirten als Bedrohung gesehen und daher verfolgt werden. Um dem entgegenzuwirken, unterstützt die Wilhelma gemeinsam mit ihrem Förderverein ein Projekt in Namibia. Dort werden Herdenschutzhunde ausgebildet und an Hirten vermittelt. Diese Hunde helfen, die Viehherden zu schützen, was wiederum die Akzeptanz der Geparden im Gebiet erhöht und deren Verfolgung reduziert.

