Stuttgart. Baden-Württemberg startet mit Gegenwind ins neue Jahr. Die Zahlen von Indeed, einer führenden Jobplattform, lassen darauf schließen, dass der Arbeitsmarkt in Deutschland und besonders in der Region unter Druck steht. Die Zahl der Stellenanzeigen sank im Januar um 1 Prozent gegenüber dem Vormonat und liegt nun 15,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Der deutschlandweite Stellenabbau
In Deutschland fiel der Rückgang der Stellenanzeigen im Januar um 0,9 Prozent gegenüber dem Vormonat, mit einem Gesamtstand von 15,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Die Industrie, die bis vor kurzem als sicher geglaubtes Feld für Arbeitssuchende galt, ist besonders betroffen. Die Personalnachfrage in der Produktion und Fertigung sank im Vorjahresvergleich um 19,85 Prozent, im Maschinenbau um 13,81 Prozent.
Die Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin Virginia Sondergeld von Indeed erklärt: „Die Wirtschaft steht unter einem enormen Transformationsdruck.“ Neben den anhaltend hohen Energiepreisen und dem internationalen Wettbewerbsdruck spielen auch die Dekarbonisierung und der technologische Wandel eine zentrale Rolle.
Berufsbilder verändern sich grundlegend oder werden obsolet. Arbeitskräfte aus der Industrie müssen sich weiterbilden und höhere Qualifikationen in technischen und digitalen Bereichen aneignen.
Bürotätigkeiten: Ein drastischer Rückgang
Der Rückgang der Personalnachfrage bei Bürotätigkeiten fällt sogar noch drastischer aus als in der Industrie.
Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Stellenangebote im Bereich IT-Support und IT-Infrastruktur um 24,05 Prozent zurück, im Kundenservice um 26,46 Prozent, im Projektmanagement um 31,78 Prozent und in der Softwareentwicklung sogar um 32,67 Prozent.
Auch in Berufsfeldern, die durch einen andauernden Fachkräftemangel geprägt sind, ist das Angebot an Stellenanzeigen im Jahresvergleich geschrumpft, etwa in der Pflege (-4,03 Prozent) oder im Bereich Bildung und Erziehung (-6,57 Prozent).
Die Personaleinsparungen könnten durch Kürzungen von Haushalten und Budgets im sozialen Bereich begründet sein.
Zur Wahrheit gehört auch, dass wir weiterhin rund ein Drittel mehr offene Stellen (+29,3 Prozent) haben als vor der Pandemie. Dieses Polster schmilzt derzeit Monat für Monat ab. Die Lage für Arbeitssuchende ist also durchaus kritisch, aber auch alles andere als aussichtslos
Die Entwicklung am deutschen Stellenmarkt analysiert die Ökonomin und Arbeitsmarktexpertin Virginia Sondergeld anhand des Indeed Arbeitsmarkt Index. Der Index analysiert unter anderem die Personalnachfrage und Gehälter auf der Basis von mehreren Millionen Stellenausschreibungen in sieben Ländern.

