Ein im Naturkundemuseum Stuttgart entdecktes Fossil einer bisher unbekannten Saurierart bietet neue Erkenntnisse zur Entwicklung der Reptilien in der Mittleren Trias vor rund 247 Millionen Jahren. Die Entdeckung, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nature, ergänzt die bedeutende Sammlung Grauvogel, die ein umfassendes Bild des subtropischen Ökosystems dieser Erdzeitepoche liefert.
Dirk Meyer (kai)
Entdeckung und wissenschaftliche Bedeutung
Ende Juli wurde die neue Saurierart Mirasaura grauvogeli vorgestellt, die vor etwa 247 Millionen Jahren lebte. Das Fossil wurde im Naturkundemuseum Stuttgart in der umfangreichen Grauvogel-Sammlung gefunden, die durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg unterstützt wird. Diese Sammlung beinhaltet Fossilien von Pflanzen, Insekten, Fischen sowie seltenen Tieren aus der Triaszeit und ist weltweit als bedeutende Forschungsquelle anerkannt.
Die wissenschaftliche Untersuchung des Fossils erfolgte unter Leitung von Dr. Stephan Spiekman und Prof. Dr. Rainer Schoch in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam. Die entdeckte Echse weist ungewöhnliche Hautauswüchse auf, die sich klar von den Federn bekannter Dinosaurier und Vögel unterscheiden. Diese Merkmale liefern neue Anhaltspunkte zur Evolution der Reptilien.
Sammlung Grauvogel und Förderungen
Die Grauvogel-Sammlung kam mit finanzieller Unterstützung des Landes Baden-Württemberg in das Naturkundemuseum Stuttgart. Sie dokumentiert ein subtropisches Ökosystem der Mittleren Trias, das für die Paläontologie besonders interessant ist, da es eine Übergangszeit nach einem der größten Massenaussterben darstellt. In dieser Zeit entwickelten sich zahlreiche neue Tier- und Pflanzenarten, vor allem im Reptilienreich.
Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst würdigte die Sammlung als wertvolle Grundlage für die Spitzenforschung in Baden-Württemberg. Mit der Förderung der Sammlungen am Naturkundemuseum wird die wissenschaftliche Infrastruktur gestärkt und der Schwerpunkt Biodiversitätsforschung in Raum und Zeit unterstützt.
Ausstellung und Ausblick
Ab Mitte Oktober 2025 wird das Naturkundemuseum Stuttgart eine Sonderausstellung mit dem Titel „Triassic Life – Aufbruch in die Zeit der Saurier“ eröffnen. Dort werden ausgewählte Fossilien der Grauvogel-Sammlung, darunter auch Mirasaura grauvogeli, der Öffentlichkeit präsentiert.
Die Triaszeit gilt als eine der dynamischsten Phasen in der Erdgeschichte, geprägt von evolutionären Anpassungen nach einem Massenaussterben. Die Entdeckung von Mirasaura grauvogeli bietet ein konkretes Beispiel für diese Entwicklungen und erweitert das Verständnis der evolutionären Innovationen dieser Zeit.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Reptilienentwicklung
Die besondere Beschaffenheit der Hautauswüchse bei Mirasaura grauvogeli unterscheidet sich von bereits bekannten Strukturen bei Dinosauriern und Vögeln. Diese Neuheit in der Morphologie gibt Hinweise auf bislang unbekannte evolutionäre Pfade innerhalb der Reptilien. Das Fossil ergänzt somit das Bild über die Vielfalt und Anpassungsfähigkeit der Reptilien während der Mittleren Trias.
Die Entdeckung trägt dazu bei, die Komplexität der Evolution in einer Zeit des Umbruchs besser zu verstehen und zeigt die Bedeutung regionaler Sammlungen und internationaler Kooperationen in der Paläontologie.
Der Fund von Mirasaura grauvogeli im Naturkundemuseum Stuttgart ist ein wichtiger Baustein zur Erforschung der Erdgeschichte und der Entwicklung der frühen Reptilien, eingebettet in eine breit angelegte paläontologische Forschungsinitiative in Baden-Württemberg.

