Stuttgart. Ein gutes und verlässliches Angebot im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gewinnt in Baden-Württemberg zunehmend an Bedeutung. Zugleich wächst das Bewusstsein für den Erhalt von Straßen und Brücken, während die Finanzierung des Verkehrs eine zentrale Rolle in der öffentlichen Diskussion spielt.
Dirk Meyer (kai)
Die alle zwei Jahre durchgeführte Forsa-Umfrage im Auftrag des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg zeigt ein klares Bild der Verkehrseinstellungen der Bevölkerung. Für die repräsentative Befragung wurden 1.000 Menschen telefonisch zu ihren Prioritäten in der Verkehrspolitik befragt. Das Ergebnis verdeutlicht, dass für viele Bürgerinnen und Bürger der Ausbau und die Qualität des ÖPNV an erster Stelle stehen.
Priorität ÖPNV: Ausbau und Finanzierung
36 Prozent der Befragten möchten in erster Linie den öffentlichen Nahverkehr, also Busse und Bahnen, ausbauen. Neben der Erweiterung der Angebote gewinnt auch der Erhalt der bestehenden Infrastruktur an Wichtigkeit. Das Land Baden-Württemberg hat den Regionalverkehr in den vergangenen zehn Jahren bereits um mehr als ein Drittel erweitert, dennoch sehen viele Befragte weiterhin Nachholbedarf.
Das Verkehrsministerium betont, dass die Finanzierung eine entscheidende Herausforderung bleibt. Die sogenannten Regionalisierungsmittel, die Bund und Land für den Nahverkehr bereitstellen, müssen nach Ansicht von Verkehrsminister Winfried Hermann den tatsächlichen Kostensteigerungen angepasst werden, um den Ausbau und die Qualität des ÖPNV nachhaltig zu sichern.
Ein Instrument zur besseren Finanzierung könnte der sogenannte Mobilitätspass sein, eine Abgabe, die auf Abonnements von Fahrkarten angerechnet wird. Etwa zwei Drittel der Befragten zeigen sich hierfür offen. Das Land hat mit dem Landesmobilitätsgesetz den rechtlichen Rahmen geschaffen, doch die praktische Umsetzung liegt bei den Kommunen, die sich dem Thema zunehmend annehmen sollen.
Erhalt und Sanierung von Straßen und Brücken im Fokus
Neben dem ÖPNV erfährt auch der Erhalt der Straßeninfrastruktur eine wachsende Aufmerksamkeit. Der Anteil der Befragten, die den Erhalt von Straßen und Brücken als wichtig ansehen, stieg von 13 auf 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig gewann auch der Neu- und Ausbau von Straßen etwas an Bedeutung, von 9 auf 13 Prozent.
Diese Entwicklung spiegelt den gestiegenen Sanierungsbedarf wider, insbesondere bei Brücken. Im vergangenen Jahr investierte das Land gezielt in die Sanierung gefährdeter Bauwerke. Eine Sammelausschreibung von 30 Brücken ist ein Schritt, um die Infrastruktur möglichst rasch zu stabilisieren.
Der Fokus liegt hier klar auf dem Grundsatz „Erhalt vor Neu- und Ausbau“. Dies entspricht den aktuellen Bedürfnissen, die sich aus der Alterung der Infrastruktur und der Notwendigkeit zur Gefahrenabwehr ergeben.
Langfristige Entwicklung und gesellschaftliche Erwartungen
Die Umfrage wurde bereits seit zehn Jahren alle zwei Jahre durchgeführt und liefert damit einen Einblick in die langfristigen Trends der Verkehrseinstellungen in Baden-Württemberg. Die Themen Mobilitätsgerechtigkeit und klimafreundliche Verkehrsplanung spielen dabei eine wesentliche Rolle.
Die Bevölkerung unterstützt weiterhin eine Verkehrspolitik, die den Klimaschutz in den Vordergrund stellt und gerechte Mobilitätsangebote schafft. Die Ergebnisse zeigen, dass viele Menschen bereit sind, für eine bessere Infrastruktur und umweltverträglichere Verkehrsmittel auch finanziell Verantwortung zu übernehmen.
Insgesamt verdeutlicht die Umfrage, dass die Verkehrspolitik in Baden-Württemberg sich an den Erwartungen der Bevölkerung orientieren muss. Neben Investitionen in den ÖPNV und den Erhalt der Straßeninfrastruktur steht die Frage der nachhaltigen und gerechten Finanzierung im Mittelpunkt der Diskussion.
