Nach viereinhalb Jahren Bauzeit ist der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 29 zwischen Essingen und Aalen offiziell abgeschlossen. Das Infrastrukturprojekt gilt als eines der modernsten Straßenbauvorhaben in Deutschland und setzt neue Maßstäbe bei der digitalen Bauplanung.
Dirk Meyer (kai)
Der Ausbau der B 29 zwischen Essingen und Aalen wurde am 20. Mai 2025 für den Verkehr freigegeben. Damit endet eine Bauphase, die im Oktober 2020 begann und die Verkehrssituation im Ostalbkreis nachhaltig verändern soll. Die Strecke, die Teil einer wichtigen Ost-West-Verbindung in Baden-Württemberg ist, wurde auf einer Länge von rund 3,6 Kilometern von zwei auf vier Fahrspuren erweitert. Ziel des Projekts war es, die Leistungsfähigkeit der Straße zu erhöhen, den Verkehrsfluss zu verbessern und die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden zu steigern.
Der erste Bauabschnitt schloss direkt an die bereits 2019 fertiggestellte Ortsumfahrung Mögglingen an und reichte bis zur Anschlussstelle Essingen. In diesem Abschnitt, der rund 1,3 Kilometer umfasst, wurden eine Mitteltrennung, zusätzliche Fahrstreifen sowie ein Standstreifen pro Richtung geschaffen. Die Anschlussstelle Essingen wurde im Zuge der Arbeiten umgebaut, sodass eine durchgängige Verbindung zwischen Forst und Essingen entstand. Bereits im September 2022 konnte die neue Überführung über die B 29 fertiggestellt werden.
Der zweite Bauabschnitt erstreckt sich über etwa zwei Kilometer von der Anschlussstelle Essingen bis zur Einmündung „Daimlerstraße“ in Aalen. Hier kam erstmals in diesem Umfang die Methode des Building Information Modeling (BIM) zum Einsatz. In einem sechsmonatigen Prozess wurden sämtliche Teilbereiche digital modelliert und in einem Koordinationsmodell zusammengeführt. Die eigentlichen Bauarbeiten dauerten anschließend zwei Jahre. Für den ersten Bauabschnitt erhielt das Regierungspräsidium Stuttgart 2021 den BIM-Award für das beste Infrastrukturprojekt.
Insgesamt mussten im Rahmen der Baumaßnahme 17 Bauwerke, darunter sechs neue Brücken, errichtet und zwei Bahnübergänge beseitigt werden. Die Beseitigung der Bahnübergänge, die gemeinsam mit der Deutschen Bahn und der Gemeinde Essingen durchgeführt wird, soll bis 2028 abgeschlossen sein. Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 61,9 Millionen Euro und werden überwiegend vom Bund getragen. Weitere Kostenanteile übernehmen das Land Baden-Württemberg, die beteiligten Kommunen und der Zweckverband Dauerwang.
Ein wichtiger Bestandteil des Projekts sind umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen zum Schutz von Natur und Landschaft. Dazu zählen die Förderung der naturnahen Entwicklung der Rems und ihrer Ufer, die Pflanzung neuer Bäume und Gehölzgruppen sowie die Anlage einer Hochstammobstwiese. Zusätzlich werden Flächen renaturiert, Ackerland in extensives Grünland umgewandelt und Hochwasserbetten geschaffen, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu minimieren.
Die B 29 ist eine zentrale Verkehrsader im Remstal und verbindet Waiblingen über Schwäbisch Gmünd mit Aalen und weiter nach Nördlingen. Mit dem vierspurigen Ausbau zwischen Essingen und Aalen wird die Kapazität der Straße deutlich erhöht, was insbesondere angesichts des gestiegenen Verkehrsaufkommens, darunter auch Schwerlastverkehr mit bis zu 25.000 Fahrzeugen täglich, als notwendig galt.
Das Regierungspräsidium Stuttgart dankte allen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern für das Verständnis während der Bauzeit. Mit der Fertigstellung dieses Abschnitts ist ein weiterer Schritt für eine leistungsfähige Infrastruktur im Ostalbkreis erreicht. Die Maßnahmen zur Landschaftspflege und zum Umweltschutz werden in den kommenden Jahren fortgesetzt, um die Eingriffe in die Natur auszugleichen.

