Zum Jahresende 2024 wurde in Baden-Württemberg auf 15 Prozent der Landesfläche für Siedlungs- und Verkehrszwecke genutzt. Diese Entwicklung führt zu einem erheblichen Anstieg des täglichen Flächenverbrauchs im Vergleich zum Vorjahr.
Dirk Meyer (kai)
Zum 31. Dezember 2024 betrug die insgesamt für Siedlungs- und Verkehrsflächen genutzte Fläche in Baden-Württemberg 536.289 Hektar, was 15 Prozent der Gesamtfläche des Bundeslandes ausmacht. Dies entspricht einer Zunahme von rund 4.795 Hektar im Vergleich zum Vorjahr.
Der berechnete tägliche Flächenverbrauch stieg dadurch von 5,1 Hektar pro Tag im Jahr 2023 auf 13,1 Hektar pro Tag im Jahr 2024. Diese Zunahme ist jedoch nicht allein auf tatsächliche bauliche oder infrastrukturelle Erweiterungen zurückzuführen. Vielmehr wurde die Systematik der Flächenerhebung angepasst, was zu einer Veränderung der Zuordnungen von bestimmten Flächenarten geführt hat.
Einfluss der geänderten Systematik
Die stärkere Gliederung der Flächenarten im Rahmen der Flächenerhebung 2024 führte zu einer Neubewertung von einzelnen Nutzungsarten. Beispielsweise wurde das frühere Gartenland nun in die Kategorien Garten (Siedlungsfläche) und Gartenbauland (Vegetation) unterteilt.
Diese Änderung ließ den Anteil der Siedlungsfläche wachsen und trug so zu einem Anstieg des gemessenen Flächenverbrauchs bei. Ohne diese Anpassungen würde der tägliche Flächenverbrauch im Jahr 2024 lediglich bei 3,4 Hektar pro Tag liegen.
Es wird erwartet, dass auch in den kommenden Jahren weitere Anpassungen in der Kategorisierung von Flächen erfolgen könnten, die den Flächenverbrauch weiterhin beeinflussen würden. Die Neuberechnung der Flächenkategorien dient dazu, eine präzisere und differenziertere Erfassung der landwirtschaftlichen, naturnahen und urbanen Flächen zu ermöglichen.
Regionale Unterschiede im Flächenverbrauch
Der Flächenverbrauch für Siedlungs- und Verkehrszwecke zeigt deutliche regionale Unterschiede. In ländlicheren Regionen des Landes, wie etwa den Landkreisen Freudenstadt, Sigmaringen und Waldshut, liegt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen bei nur 10 bis 11 Prozent der Gesamtfläche.
Diese Werte sind deutlich niedriger als in städtisch geprägten Landkreisen wie Böblingen, Ludwigsburg oder Esslingen, wo der Anteil zwischen 23 und 26 Prozent schwankt.
Besonders auffällig sind die Werte in den Stadtkreisen. Hier zeigt sich, dass die Städte den höchsten Anteil an Siedlungs- und Verkehrsflächen aufweisen. So liegt der Anteil in Mannheim bei 58,3 Prozent, was den höchsten Wert im gesamten Land darstellt. Baden-Baden, mit seinen ausgedehnten Waldgebieten, bildet eine Ausnahme unter den Stadtkreisen. Hier liegt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche mit 15,6 Prozent nur leicht über dem Landesdurchschnitt.
Bedeutung für die Raumplanung
Die unterschiedlichen Anteile von Siedlungs- und Verkehrsflächen in den verschiedenen Regionen Baden-Württembergs werfen Fragen hinsichtlich der Raumplanung und der zukünftigen Flächennutzung auf.
Der anhaltend hohe Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen in den urbanen Zentren und die regionalen Unterschiede in der Nutzung könnten künftig auch Auswirkungen auf die Ausrichtung der Landesplanung und der Infrastrukturprojekte haben.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Entwicklungen in der Flächennutzung in den kommenden Jahren fortsetzen werden, insbesondere vor dem Hintergrund des fortschreitenden Wachstums der Ballungsräume und der anhaltenden Nachfrage nach Wohn- und Verkehrsflächen.

