Zwei leicht verletzte Beamte, zahlreicheversuchte Körperverletzungsdelikte, Beleidigungen, Sachbeschädigungenund Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz (bengalische Feuer) sind die Bilanz der vergangenen Oberligabegegnung zwischen dem SSV Reutlingenund dem SSV Ulm.

Am Samstag, 09.05.2015, um 17.00 Uhr, fand das von der Polizei als High-Risk-Spiel eingestufte Oberligaspiel im Reutlinger Stadion an der Kreuzeiche statt. Das Spiel wurde von 2220 Zuschauern, darunter 500 Fans aus Ulm, besucht. Aus Ulm reisten neben zahlreichen friedlichen Fans auch 245 Problemfans mit der Bahn und drei Reisebussen an. Die Ulmer Fans wurden durch befreundete Anhänger des VfR Aalen, des 1. FC Nürnberg und des Eishockeyclubs Kaufbeuren unterstützt. 50 Fans von Rot Weiß Oberhausen reisten außerdem mit einem eigenen Bus nach Reutlingen. Ein Reisebus mit Problemfans des Schweizer Clubs FC St. Gallenund zahlreiche mit Pkw angereiste Fans stärkten nach Polizeiaussagen die Reutlinger Fanszene. Außerdem nahmen zahlreiche, bereits einschlägig polizeibekannte Fans, die Gelegenheit war, die Reutlinger Problemfanszene, die während des Spiels ca. 185 Fans umfasste, zu unterstützen.

Die mit der Bahn angereisten Ulmer Fans wurden am Bahnhof von Bussen der Reutlinger Stadtverkehrsbetriebe abgeholt und unter Polizeibegleitung zum Stadion gebracht. Dennoch gelang es einem Ulmer Fan im Innern eines Busses Schaden in Höhe von ca. 800 Euro anzurichten. Während die Ulmer Fans in den ihnen zugewiesenen Fanblockströmten, versuchte eine Gruppe von ca. 40 maskierten Reutlinger und St. Gallener Fans über einen Spazierweg am Freibad entlang an die Rückseite des Ulmer Fanblocks zu gelangen. Die eingesetzten Polizeibeamten konnten dies nur durch den Einsatz von Schlagstöcken verhindern. Anschließend rannten die immer noch maskierten Fans an der Rückseite der Tribüne entlang zur SSV-Gaststätte, wo die anderen Fans bereits warteten.

Einen gehörigen Schreck verursachte die Aktion bei einer Gruppe von Kindern, die mit ihren Eltern auf den Einlass ins Stadion warteten, weil sie die Mannschaften aufs Spielfeld begleiten durften. Sie waren plötzlich mit dem Anblick einer auf sie zu rennenden Gruppe Maskierter konfrontiert. Verantwortliche des SSV Reutlingen konnte die Gruppe jedoch schnell ins Stadion einlassen. In der ersten Halbzeit des Spiels kam es zu keinen besonderen Vorkommnissen. Die beiden Fanlager versuchten sich durch diverse Choreografien und gegenseitige Beleidigungen zu übertreffen.
Nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit zündeten maskierte Ulmer Fans mehrere bengalische Feuer in ihrem Fanblock. Etwa zehn Minuten vor Spielende gelang es den Ulmer Fans das Nottor zum Stadioninnenraum zu öffnen.Die vom SSV Reutlingen eingesetzten Ordner konnten nicht verhindern, dass eine große Anzahl von Fans darauf in den Stadioninnenraum stürmten. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel. Unterstützt durch die Aufforderung des Stadionsprechers und eines Verantwortlichen des SSV Ulm, gelang den Ordnern und den nun in den Innenraum des Stadions entsandten Polizeikräften die Ulmer Fans wieder in ihren Fanblock zurückzudrängen. Gleichzeitig wurden die Reutlinger Problemfans, die in der Zwischenzeit vom Block E durch die Sitzreihender unbeteiligten, friedlichen Fußballfans in den Block A gestürmt waren, wieder in ihren Fanblock verwiesen.

Kurz nach dem Wiederanpfiff, wurde das Spiel vom Schiedsrichter frühzeitig beendet. Während die Ulmer Fans aus dem Stadion strömten und sich auf den Weg zu ihrem Busparkplatz machten, versuchten Reutlinger und St.Gallener Problemfans von der Schlattwiesenstraße aus in Richtung der Ulmer Fans zu kommen. Es kam zu verbalen Provokationen, die die Ulmer Fans dazu veranlasste nun auch in Richtung der Reutlinger Fans zustürmen. Durch den Einsatz starker Polizeikräfte, einschließlich der Polizeireiter, konnten weitere Auseinandersetzungen verhindert werden. Die Provokation der Ulmer Fans durch Reutlinger Fans setzte sich am Busparkplatz (Verkehrsübungsplatz) fort. Die Reutlinger Fans mussten deshalb erneut durch Polizeikräfte abgedrängt werden, um die Ulmer Fans zum Einstieg in ihre Busse bewegen zu können. Anschließend wurden die Busse mit Polizeibegleitung zum Hauptbahnhof bzw. zur Stadtgrenze begleitet.Reutlinger Fans, die anschließend mit ihren Freunden aus der Schweiz in die Innenstadt strömten, sorgten in der Fußgängerzone erneut für Aufregung, weil sie sich dort verbale Auseinandersetzungen mit Passanten lieferten. Erst gegen 21.30 Uhr beruhigte sich die Lage im Stadtgebiet. Die Polizei hatte rund 300 Beamtinnen und Beamte im Einsatz. Die zahlreichen festgestellten Delikte bedürfen noch weitererErmittlungen. (rsh/pol Rt)

Ein Kommentar zu „Krawalle beim Fußball Oberligaspiel SSV Reutlingen – SSV Ulm“

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