Keine Krankenversicherung – was kann man tun?

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Wer die monatlichen Beiträge für die Krankenversicherung nicht zahlen kann, entscheidet sich in vielen Fällen dazu, auf den Versicherungsschutz zu verzichten. Doch ist man in Deutschland nicht automatisch krankenversichert? Ist ein fehlender Versicherungsschutz strafbar? Und wie geht man vor, wenn man nicht krankenversichert ist? Welche Krankenversicherung ist zuständig und wie verhalten sich Betroffene bei Beitragsrückständen? Dieser Artikel liefert Antworten!

Ist man in Deutschland immer krankenversichert?

In Deutschland greift eine allgemeine Krankenversicherungspflicht. Dennoch hatten 61.000 Menschen in Deutschland im Jahr 2019 keine Krankenversicherung, so die Ergebnisse des Statistischen Bundesamts. Auf sie kommen Beitragsschulden zu, die in der Zeit ohne Krankenversicherungsschutz entstehen und nachgezahlt werden müssen.

Deshalb sollten sich Menschen ohne Versicherungsschutz umgehend an ihre ehemalige Krankenkasse wenden. Dies kann die gesetzliche oder die private Krankenversicherung sein. Sie ist gesetzlich dazu verpflichtet, ehemals Versicherte wieder aufzunehmen.

Warum verzichten manche Menschen in Deutschland auf eine Krankenversicherung?

Empfänger von Sozialleistungen und Arbeitnehmer kümmern sich nicht selbst um die Entrichtung der Krankenversicherungsbeiträge. Im Falle der Angestellten wird ein Teil des Gehalts eingezogen und an die Sozialversicherung weitergeleitet. Im Falle eines Empfängers von Sozialleistungen übernimmt das Jobcenter oder die Agentur für Arbeit die Zahlungen.

Auf den Versicherungsschutz verzichten in Deutschland hauptsächlich Selbstständige, die die die Versicherungsbeiträge aufgrund finanzieller Engpässe nicht realisieren können. Denn sie zahlen die Beiträge in voller Höhe selbst.

Ist eine fehlende Krankenversicherung in Deutschland strafbar?

Strafbar ist eine fehlende Krankenversicherung in Deutschland nicht. Allerdings kann eine fehlende Krankenversicherung mit hohen Zahlungen mit Säumniszuschlägen und einer möglichen Verschuldung einhergehen.

Weiterhin gilt: Ein Arzt darf einen Patienten ohne Versicherungsschutz nicht abweisen. Jedoch wird dieser in der Regel innerhalb von zehn Tagen nach dem Arztbesuch als Nachweis angefordert – oder der Patient übernimmt die Kosten selbst.

Wie geht man vor, wenn man nicht krankenversichert ist?

Wer nicht krankenversichert ist, sollte sich schnellstmöglich mit seiner ehemaligen Krankenversicherung in Verbindung setzen. Die Verbraucherzentrale und die Unabhängige Patientenberatung bieten in diesem Zusammenhang kostenlose Beratungstermine an.

Bei der gesetzlichen Krankenversicherung kann ein Nachlass auf nachzuzahlende Beträge und Säumniszuschläge beantragt werden. Wenn der ausstehende Betrag nicht komplett zurückgezahlt werden kann, kann zudem eine Ratenzahlung in Erwägung gezogen werden. Auch die private Krankenversicherung bietet in der Regel flexible Rückzahlungen an.

Welche Krankenversicherung ist zuständig?

Eine Krankenkasse darf ehemalige Mitglieder nicht abweisen (§ 174 Abs. 5 SGB V). Wer noch nie krankenversichert war und der gesetzlichen Krankenkasse zuzuordnen ist, kann sich eigenständig für eine solche entscheiden. Auch günstige Versicherungen in Nachbarländern der EU kommen als Krankenversicherung in Frage.

„Eine Europäische Krankenversicherung macht die Aufnahme kinderleicht – ohne Strafe, hohe Nachzahlungen oder komplizierte Gesundheitsprüfung.“ – Finanzschneiderei

Ehemals private Krankenversicherte werden von einer privaten Krankenversicherung in den Basistarif eingestuft. Wer im Anschluss daran mehr Leistungen erhalten möchte, die den Leistungsumfang des Basistarifs übersteigen, kann bei der privaten Krankenversicherung vom Basistarif zum regulären Tarif wechseln. Allerdings können hier Zusatzkosten in Form von Risikoaufschlägen entstehen.

In Deutschland gilt:

  • Wer weder privat noch gesetzlich krankenversichert war, wird – je nach beruflicher Tätigkeit – einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse zugeteilt. Geht der Betroffene mehreren Berufen nach, wird die Haupttätigkeit berücksichtigt.
  • Wer in der Vergangenheit gesetzlich krankenversichert war, wendet sich an die gesetzliche Krankenversicherung (GKV).
  • Wer privat krankenversichert war, nimmt Kontakt zu der privaten Krankenkasse (PKV) auf.

Was tun bei Beitragsrückständen in der gesetzlichen Krankenversicherung?

Beitragsrückstände können von einer gesetzlichen sowie einer privaten Krankenversicherung eingefordert werden. Erstgenannte erheben Säumniszuschläge und können offene Beträge durch Vollstreckungs- und Vollziehungsbeamte vollstrecken. In diesem Fall sollten Betroffene den Kontakt zu ihrer Krankenversicherung herstellen und eine Zahlung veranlassen beziehungsweise eine Ratenzahlung vereinbaren. Auf eine Ratenzahlung besteht jedoch kein gesetzlicher Anspruch.

Private Krankenversicherungen dagegen reagieren in der Regel nach zwei offenen Monatszahlungen mit Leistungskürzungen oder ruhenden Leistungen. Die Ausnahme bilden Schwangerschaften, Mutterschaften, Vorsorgeuntersuchungen und akute Erkrankungen, die eine ärztliche Behandlung erfordern.

Fazit

In Deutschland gilt die allgemeine Krankenversicherungspflicht, wobei Versicherte auf Basis ihrer beruflichen Tätigkeit der gesetzlichen oder der privaten Krankenversicherung zuzuordnen sind. Insbesondere Berufstätige, die sich für die Selbstständigkeit entschieden haben, können Beiträge aufgrund eines fehlenden festen Einkommens in einigen Fällen nicht realisieren.

Ist dies der Fall, sollten sich Betroffene an ihre Versicherung wenden und die Zahlungsmöglichkeiten besprechen. Wer noch nie versichert war, wendet sich – je nach Berufsgruppe – an die gesetzliche Krankenkasse seiner Wahl oder eine private Krankenkasse.

Strafbar ist eine fehlende Krankenversicherung nicht, allerdings schützen sich Betroffene durch schnelle Rückzahlungen vor einer höheren finanziellen Belastung. Für kostenlose Beratungen steht die Verbraucherzentrale zur Verfügung.

Quellen:

Krankenversicherung in Deutschland bis 2019 | Statista

§ 174 SGB 5 – Einzelnorm (gesetze-im-internet.de)


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