© Nachlass Moesman

Die Staatsgalerie Stuttgart widmet sich im Herbst und Winter 2026/27 umfassend dem Surrealismus und stellt dabei insbesondere die Rolle der Fotografie innerhalb der Bewegung heraus. Neben der großen Ausstellung zur Fotografie zeichnen zwei weitere Präsentationen die Entwicklung surrealistischer Bildwelten von historischen Vorläufern bis zu zeitgenössischer Kunst nach.

Dirk Meyer (kai)

Vom 4. Dezember 2026 bis zum 11. April 2027 zeigt die Staatsgalerie die Sonderausstellung „Alles surreal?! Fotografie im Kosmos des Surrealismus“. Auf mehr als 1.500 Quadratmetern treffen dabei mehr als 250 Fotografien aus der neu erworbenen Münchner Sammlung Siegert auf über 40 Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Objekte und Filme. Internationale Leihgaben ergänzen die Auswahl.

Fotografie zwischen Traum und Wirklichkeit

Im Mittelpunkt steht die Frage, welchen Anteil die Fotografie an der Entwicklung des Surrealismus hatte. Anlass für die Ausstellung ist das 200-jährige Jubiläum der Fotografie. Die Präsentation stellt erstmals in diesem Umfang die Wechselwirkungen zwischen Fotografie und anderen künstlerischen Medien innerhalb der Bewegung heraus.

Der Surrealismus entstand 1924 in Paris unter dem maßgeblichen Einfluss des Schriftstellers André Breton. Von der Literatur ausgehend erfasste die Bewegung ab Mitte der 1920er-Jahre auch Malerei und Bildhauerei und prägte zugleich den Umgang mit den damals noch jungen Medien Film und Fotografie.

Fotografische Verfahren wie Solarisation, Mehrfachbelichtung, Montage und Collage ermöglichten Bilder, die sich von gewohnten Vorstellungen einer objektiven Wirklichkeit entfernten. Traum, Unterbewusstsein und freie Assoziation rückten stärker in den Mittelpunkt. Auch der menschliche Körper wurde häufig verfremdet, zerlegt oder neu inszeniert.

Von Goya bis zu den Wegbereitern des Surrealismus

Bereits ab dem 27. November 2026 richtet die Präsentation „Albtraum und Vision. Zwischen Schatten und Erleuchtung“ im Graphik-Kabinett den Blick auf die Vorgeschichte dieser Bildwelten. Rund 40 Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert zeigen, wie sich Künstler lange vor der Entstehung des Surrealismus mit Visionen, Albträumen, Metamorphosen und verborgenen Bereichen der menschlichen Psyche auseinandersetzten.

Zu den gezeigten Arbeiten gehören Francisco de Goyas „Der Schlaf der Vernunft“ und Max Klingers Variante von Arnold Böcklins „Toteninsel“. Die Ausstellung ordnet diese Werke in eine europäische Bildtradition ein, die bis in die Renaissance zurückreicht. Themen wie Dämonen, Alchemie, Volksglauben und mystische Erfahrungen blieben auch nach der Aufklärung Bestandteil der Kunst und bildeten Gegenwelten zu einem zunehmend rational geprägten Weltbild.

Die Staatsgalerie versteht diese Künstler nicht ausschließlich als Vorläufer des Surrealismus. Stattdessen wird eine gemeinsame Geschichte der künstlerischen Vorstellungskraft nachgezeichnet, in der sichtbare Wirklichkeit und innere Bildwelten miteinander verbunden sind.

Surrealistische Strategien reichen bis in die Gegenwart

Parallel zur Sonderausstellung zeigt ein Kabinett der zeitgenössischen Sammlungspräsentation „THIS IS TOMORROW“, wie surrealistische Methoden bis heute weiterwirken. Werke von Neo Rauch, Erwin Wurm und Marta Hoepffner greifen Strategien auf, die mit dem Surrealismus verbunden sind, und übertragen sie auf Malerei, Skulptur und Fotografie der Gegenwart.

Damit spannt das Ausstellungsprogramm der Staatsgalerie einen zeitlichen Bogen von historischen Bildwelten über die klassische surrealistische Bewegung bis zu heutigen künstlerischen Positionen. Für die Orientierung zwischen den drei Präsentationen verwendet das Museum eine eigens entwickelte Bildmarke: Eine abstrahierte Katze aus dem Motiv der Ausstellung „Alles surreal?!“ weist den Weg durch den „Kosmos des Surrealismus“.

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