Ein Stuttgarter Goldschmiedeatelier war im Fernsehen zu sehen: In der SWR-Sendung „Die Scheune“ entsteht aus wertvollen Edelsteinen, die seit Generationen in Familienbesitz sind, ein völlig neuer Ring. Der Beitrag zeigt, wie viel Handwerk in einem einzigen Schmuckstück steckt – und warum die Umarbeitung geerbten Schmucks für viele Familien eine Alternative zum Neukauf sein kann.
Auftritt im SWR – Goldschmiedeatelier Stuttgart in „Die Scheune“
Zu sehen ist das Atelier in der Reihe „Die Scheune – wie Handwerk alte Schätze rettet“ des SWR. In dem Format hauchen Handwerkerinnen und Handwerker alten Stücken neues Leben ein – und bewahren dabei die Erinnerungen, die an ihnen hängen. Die Folge mit dem Stuttgarter Atelier trägt den Titel „Wie man einen Ring, einen alten Sekretär und ein Röhrenradio restauriert“ und wurde erstmals am 8. Oktober 2021 im SWR ausgestrahlt; eine Wiederholung zeigte der Sender am 7. Oktober 2022. Neben dem Goldschmiedeatelier wurden in derselben Folge zwei weitere Handwerksmeister aus anderen Gewerken bei ihrer Arbeit gefilmt – so entstanden in der Scheune gleich drei ganz unterschiedliche Restaurierungsgeschichten.
Mit dabei ist ein Goldschmied in Stuttgart: Goldschmiedemeisterin Marion Schäfer zeigt vor der Kamera, wie aus Edelsteinen, die über Generationen in einer Familie weitergegeben wurden, Schritt für Schritt ein neuer Ring entsteht. In der Folge ist sie gemeinsam mit Arndt Reisenbichler zu sehen. Unabhängig von den TV-Terminen ist der Beitrag in der ARD-Mediathek abrufbar – laut den dortigen Angaben noch bis zum 6. Oktober 2027.
Für die Region ist der Auftritt ein kleines Fernsehereignis: Stuttgarter Handwerk ist selten so ausführlich im überregional abrufbaren Programm zu sehen. Die Sendung macht zudem deutlich, dass Goldschmiedearbeit weit mehr ist als der Verkauf von Neuware – sie ist präzise Handarbeit an vorhandenen, oft emotional wertvollen Stücken. Gerade dieser Blick hinter die Kulissen der Werkbank dürfte für viele Zuschauerinnen und Zuschauer neu sein.
Vom Familienerbstück zum neuen Ring – wie eine Umarbeitung abläuft
Der in der Sendung gezeigte Fall ist typisch für viele Haushalte: Edelsteine aus Familienbesitz liegen oft jahrzehntelang ungetragen in Schatullen, weil die ursprüngliche Fassung veraltet ist, die Größe nicht stimmt oder das Schmuckstück schlicht nicht zum eigenen Stil passt. Der materielle und vor allem der emotionale Wert bleibt bestehen – getragen wird das Stück trotzdem nicht.
Bei einer Umarbeitung beginnt der Weg zum neuen Lieblingsstück deshalb nicht im Schaufenster, sondern an der Werkbank. Zunächst begutachtet die Goldschmiedin oder der Goldschmied die vorhandenen Steine: Welche Qualität haben sie, wie sind sie geschliffen, vertragen sie das Lösen aus der alten Fassung? Auf dieser Grundlage entsteht ein Entwurf, der die alten Steine in einen neuen, tragbaren Zusammenhang setzt – im Fernsehbeitrag ein Ring. Erst danach folgt die eigentliche Neuanfertigung: Das Edelmetall wird geformt, die Fassung gebaut und die Steine abschließend von Hand gefasst. In vielen Fällen lässt sich auch das vorhandene Edelmetall weiterverwenden – es wird eingeschmolzen und fließt in das neue Stück mit ein.
Am Ende steht ein Schmuckstück, das neu aussieht, seine Geschichte aber mitträgt. Dass dieser Weg aufwendig ist, zeigt der Beitrag eindrücklich: Jeder Arbeitsschritt erfordert Erfahrung, ruhige Hände und ein geschultes Auge für Proportionen und Material. Genau diese handwerkliche Tiefe unterscheidet die individuelle Umarbeitung von gekaufter Serienware. Für Besitzer alter Schmuckstücke lohnt es sich daher, die Möglichkeiten frühzeitig prüfen zu lassen, statt die Erbstücke weiter ungenutzt aufzubewahren.
Traditionelles Goldschmiedehandwerk in Stuttgart
Hinter dem im Fernsehen gezeigten Betrieb steht ein kleines Team: Goldschmiedemeisterin Marion Schäfer arbeitet gemeinsam mit den Goldschmiedinnen Julia Korn, Zhibek Suiunbaeva und Simone Redel in der Stuttgarter Werkstatt. Gefertigt wird von Hand – das Atelier versteht sich als klassische Werkstatt mit persönlicher Beratung, nicht als anonymer Online-Shop. Kundinnen und Kunden kommen nach Vereinbarung vorbei, etwa für Trauringe, Neuanfertigungen, Reparaturen oder eben die Umarbeitung von Erbstücken. Termine für Beratungen werden nach den Angaben des Ateliers telefonisch oder per E-Mail vereinbart.
Die Materialbandbreite der Werkstatt reicht von Diamanten, Brillanten und Farbsteinen über Perlen und Korallen bis zu Gold, Platin und Silber. Aus diesen edlen Werkstoffen entstehen Einzelstücke, die als dauerhafte Erinnerungsträger gedacht sind – eine Arbeitsweise, die gut zum Ansatz der Sendung passt, in der Erinnerungswerte im Mittelpunkt stehen.
Das Goldschmiedehandwerk hat in Baden-Württemberg ohnehin eine lange Tradition – Pforzheim gilt als historisches Zentrum der deutschen Schmuckindustrie. In Stuttgart halten inhabergeführte Werkstätten dieses Handwerk bis heute lebendig. Die Arbeit solcher Betriebe speist sich aus einem Können, das über Jahre erlernt wird – vom Entwurf über die Metallbearbeitung bis zum Fassen der Steine. Dass der SWR für seine Restaurierungsreihe ein Stuttgarter Atelier ausgewählt hat, unterstreicht den Stellenwert, den das klassische Handwerk in der Region nach wie vor besitzt.
Warum Umarbeitung statt Neukauf für viele Familien interessant wird
Der Fernsehbeitrag trifft ein Thema, das weit über einen einzelnen Ring hinausgeht: In vielen Familien schlummern Schmuckstücke, die aus emotionalen Gründen nie verkauft, aber auch nie getragen werden. Die Umarbeitung löst dieses Dilemma, ohne die Erinnerung daran zu opfern.
Der wichtigste Grund ist der Erinnerungswert: Ein Stein aus dem Ehering der Großmutter bleibt derselbe Stein – nur in einer Fassung, die zu den Menschen von heute passt. Hinzu kommt ein pragmatischer Aspekt: Das wertvollste Material, nämlich die Edelsteine und mitunter auch das Edelmetall, ist bereits vorhanden und muss nicht neu angeschafft werden. Und schließlich spielt auch die Nachhaltigkeit eine Rolle: Vorhandenes wird weitergenutzt, statt neues Material zu beschaffen – ein Gedanke, der mit dem wachsenden Bewusstsein für Ressourcen an Bedeutung gewinnt.
Was eine Umarbeitung kostet, lässt sich pauschal kaum beantworten: Der Preis hängt von Aufwand, Material und Zustand der Steine ab. Entscheiden sollten Besitzerinnen und Besitzer deshalb in Ruhe – und nach fachkundiger Begutachtung: Nicht jedes alte Stück eignet sich für jede Umarbeitung, und manchmal ist auch die behutsame Restaurierung im Originalzustand der bessere Weg. Eine Prüfung vor Ort klärt, welche Möglichkeiten ein konkretes Schmuckstück bietet.
Wo der SWR-Beitrag zu sehen ist
Wer den Beitrag über das Stuttgarter Atelier sehen möchte, findet ihn in der ARD-Mediathek: Die Folge mit dem Titel „Wie man einen Ring, einen alten Sekretär und ein Röhrenradio restauriert“ steht dort nach den Angaben der Mediathek kostenlos zum Abruf bereit – noch bis zum 6. Oktober 2027. Die Erstausstrahlung lief am 8. Oktober 2021 im SWR, eine Wiederholung folgte am 7. Oktober 2022. Damit bleibt der Beitrag auch unabhängig vom jeweiligen Fernsehprogramm für Interessierte in der Region abrufbar.

