Eine neue Ausstellung in Stuttgart beleuchtet die Verbindung zwischen Nachtleben, Rausch, Risiko und der Entwicklung der Drogenarbeit im Rahmen einer elfjährigen Vereinsgeschichte. Dabei werden sowohl historische Aspekte als auch aktuelle Herausforderungen im Umgang mit substanzenbezogenem Konsum und Schadensminimierung präsentiert.

Dirk Meyer (kai)

In Stuttgart findet am 19. Juni 2026 eine ganztägige Ausstellung statt, die das 11-jährige Bestehen des Vereins take Stuttgart zum Anlass nimmt, die Themen Nachtkultur, Drogenkonsum und Prävention in den Fokus zu rücken.

Die Veranstaltung möchte die Besucherinnen und Besucher durch eine Kombination aus historischen Exponaten, aktuellen Informationen und Zukunftsperspektiven für den Umgang mit Rauschmitteln sowie die Entwicklung der akzeptierenden Drogenarbeit führen.

Historische Entwicklung der Drogenarbeit in Stuttgart

Die Ausstellung beginnt mit einem Rückblick auf die Anfänge der Drogenhilfe in Stuttgart, die in den 1970er Jahren mit dem Angebot eines „Spritzentauschs“ begann. Dieses niedrigschwellige Angebot war Teil der frühen Phase der sogenannten akzeptierenden Drogenarbeit, bei der der Umgang mit Substanzkonsum nicht kriminalisiert, sondern auf Schadensminderung und Stigmatisierung reduziert wurde. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich das Angebot kontinuierlich weiterentwickelt, um den Bedürfnissen der Betroffenen gerecht zu werden und den Zugang zur Suchthilfe zu erleichtern.

Das Konzept der akzeptierenden Drogenarbeit in Stuttgart basiert auf evidenzbasierten Ansätzen, die auf Harm Reduction setzen. Dabei wird die Arbeit von Ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeitenden getragen, die auf Augenhöhe mit den Konsumentinnen und Konsumenten agieren. Ziel ist es, Risiken zu minimieren, gesundheitliche Folgen zu verringern und Barrieren im Zugang zu Hilfsangeboten abzubauen.

Die Ausstellung zeigt Exponate, die die Entwicklung dieser Ansätze dokumentieren und die Bedeutung der Schadensminimierung in der Suchthilfe verdeutlichen. Sie lädt die Besucherinnen und Besucher ein, die Geschichte der Drogenarbeit in Stuttgart nachzuvollziehen und die positiven Effekte einer offenen, nicht-stigmatisierenden Haltung zu erkennen.

Verbindung zur Nachtkultur und zukünftige Entwicklungen

Ein zentraler Fokus der Ausstellung liegt auf der Verbindung zwischen der Arbeit der Suchthilfe und der Nachtkultur. Die Verantwortlichen betonen, dass take Stuttgart seine Angebote aktiv in den Kontext des nächtlichen Lebens in der Stadt stellt, insbesondere bei Festivals, Clubbesuchen und Open-Air-Veranstaltungen. Hierbei werden Informationsstände zu Safer-Use-Materialien angeboten, um Risiken beim Konsum zu reduzieren, und bei Bedarf wird eine sogenannte PsyCare, eine ambulante Notfallambulanz für Psychedelika und andere Substanzen, bereitgestellt.

Aus Regierungskreisen und Fachkreisen heißt es, dass die Themen Rausch, Risiko und Schadensminimierung im Nachtleben zunehmend an Bedeutung gewinnen. Das veränderte Ausgehverhalten, das gestiegene Sicherheitsbedürfnis sowie ein wachsendes Bewusstsein für psychische Gesundheit prägen die Diskussionen um die Zukunft der Szene. Die Ausstellung versteht sich als „Reallabor“, das die aktuellen Entwicklungen dokumentiert und gleichzeitig zukünftige Szenarien skizziert.

Die Verantwortlichen sehen in der Arbeit von take Stuttgart ein Modell für eine moderne, offene und präventionsorientierte Drogenarbeit. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Entwicklung des Nachtlebens und der Drogenpolitik als eine gemeinsame Herausforderung zu begreifen, die durch Aufklärung, niedrigschwellige Angebote und eine offene Haltung bewältigt werden kann. Besucherinnen und Besucher werden eingeladen, die Exponate als Zeitzeugen vergangener und künftiger Szenarien zu betrachten und die Perspektiven einer noch fiktiven Zukunft zu erkunden.

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