Hilfe für Obdachlose in Corona-Zeiten: Der Stuttgarter Gabenzaun

Hier am Marienplatz hängt jeden Tag eine Überraschung – an den Zaun kann jeder Bürger seine Geschenke an Obdachlose anbringen.

Von Alexander Kappen

Stuttgart-Süd. „Unsere Wohngemeinschaft aus dem Stuttgarter Süden spendet hier regelmäßig Sachen für die Obdachlosen“, sagt Alexandra. Die 25-jährige Frau ist Mitarbeiterin im Pizzaladen „L.A. Signorina“ am Marienplatz – nur einige Meter entfernt vom Stuttgarter Gabenzaun.

Tammo Schäfer, ein Anwohner aus dem Stuttgarter Süden hat den Gabenzaun ins Leben gerufen. Inspiriert von anderen Städten, die bereits Gabenzäune hatten, wollte er das auch in seiner Heimat Stuttgart umsetzen. Die vielen Obdachlosen, die am Marienplatz unter der Paulinenbrücke campieren, haben sein Herz berührt.

Er wollte helfen und erklärte den Zaun des Basketballfeldes zum „Gabenzaun“. „Wenn du etwas brauchst, nimm es Dir. Wenn du etwas zu geben hast, hänge etwas hin. Bitte beschriften was in den Tüten ist“ steht auf den Schildern, die Tammo Schäffer als Regelwerk für den Gabenzaun aufgehängt hat.

Auf einem Zettel am Drahtgitter steht „Der Zaun ist eine gute Sache, Danke, sehr achtsam und verantwortungsbewußt“. Der Gabenzaun kommt gut an. Einerseits bei den Bedürftigen: Fast alle Tüten sind abgehängt, nur noch Damenschuhe in Größe 39 hängen noch in einer Plastiktüte am Zaun.

Ein anderer Zettel beweist dass hier mal „Croissants“ hingen. Andererseits bei den Anwohnern und zahlreichen Pendlern, die am Marienplatz mit seiner U-Bahn- und  Bus-Haltestellen und der „Zacke“ nach Degerloch herumstehen uns auf ihren Anschluss warten: „Wirklich eine tolle Einrichtung für die armen Burschen, die kein Dach überm Kopf haben“, lobt einer der Passanten und nickt zustimmend.

Die sympathische Alexandra aus dem Pizzaladen „L.A. Signorina“ am Marienplatz bestätigt: „Der Zaun kommt gut an. Sehr viele Leute haben hier etwas aufgehängt. Die Nachfrage ist halt sehr groß, so dass gerade kaum noch etwas am Zaun hängt, das war vor einigen Wochen noch verstärkt der Fall. Da war der Zaun voll mit Geschenken“.

Unsere Wohngemeinschaft möchte hier die Bedürftigen aus unserem Stadtteil unterstützen, das sind wir den sozial Schwachen doch schuldig. Kekse, Bananen, belegte Brötchen und vieles mehr hängt die WG hier regelmäßig auf.

Gerade jetzt in der Corona-Zeit sind die Obdachlosen auf Hilfe der Bevölkerung stark angewiesen. Einnahmequellen wie Betteln und Pfandflaschen sammeln fallen aufgrund der Corona Bestimmungen weitgehend weg. Und auch das Essen beschaffen wird noch schwieriger als es bereits ist.

Denn die Tafeln haben so gut wie nichts mehr an Lebensmitteln im Angebot, da die Supermärte selbst Probleme haben, Essbares in den Laden zu bekommen. Viele Leute tätigen wegen der Pandemie „Hamsterkäufe“. Zudem fehlen den Bedürftigen Waschmöglichkeiten und auch das auf Abstand gehen fällt vielen schwer, denn gerade in der engen Gemeinschaft suchen viele Halt. 


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