Wilhelma Stuttgart. Fleißige Faultiere ziehen 14. Jungtier auf

Tier Wilhelma Stuttgart

Im Alltag von Marlies und Mike, dem Faultierpaar der Wilhelma in Stuttgart, geht es in der Regel eher bedächtig zu. Entspannungspausen können schon einmal 15 Stunden des Tages in Anspruch nehmen.

(Wilhelma)

Wenn es um den Nachwuchs geht, laufen die beiden allerdings regelmäßig zur Höchstform auf: Am Dienstag, 11. Februar, brachte Marlies ihr vierzehntes Jungtier zur Welt.

Das Faultierweibchen zog 2001 nach Stuttgart zu ihrem Partner, der bereits seit 1994 im Zoologisch-Botanischen Garten lebt. Normalerweise sind Zweifinger-Faultiere Einzelgänger und finden nur zur Paarung zusammen. Weil Marlies und Mike aber eine ungewöhnlich harmonische Partnerschaft pflegen, dürfen sie das ganze Jahr über zusammenbleiben. Auch den Umzug in ihr derzeitiges Domizil haben sie gemeinsam gemeistert. Weil das ehemalige Südamerikahaus umgebaut wird, leben die beiden Faultiere seit Dezember mit den Springtamarinen und Zwergseidenäffchen übergangsweise im Menschenaffenhaus.

„Marlies war schon tragend, als sie umgezogen ist“, berichtet Revierleiterin Kerstin Beigang. „Man hat ihr und Mike aber kaum etwas angemerkt. Sie haben sich ganz schnell eingelebt und gleich ihre Lieblingsplätze gefunden.“ Auch die Geburt verlief völlig problemlos. Ist ein neugeborenes Faultier auf der Welt, muss es zügig die ersten Kletterversuche im Fell seiner Mutter meistern, indem es auf der Suche nach ihren Zitzen instinktiv auf ihren Bauch krabbelt. Bis zu zehn Monate lässt sich das Jungtier anschließend durch die Bäume chauffieren und ist vor allem damit beschäftigt, sich festzuhalten.

Nur so bleibt der Winzling an seinem Platz, wenn das Weibchen sich kopfüber vom Ast hängen lässt, um gemächlich nach Blättern und Knospen zu greifen.

Obwohl das junge Faultier in der Wilhelma noch über Monate gesäugt wird, zeigt es bereits großes Interesse an Marlies‘ Speiseplan und versucht, kleine Kostproben zu erhaschen.

„Das Jungtier wird nicht aktiv gefüttert, sondern nimmt sich selbst etwas von dem, was die Mutter frisst“, erklärt die Tierpflegerin. „So lernt es, was genießbar ist, und es kann nicht passieren, dass das Kleine versehentlich das Falsche zu sich nimmt. Bis der Nachwuchs richtig mitisst, wird es aber noch ein paar Wochen dauern.“ Schritt für Schritt wird die Muttermilch durch Laub, Früchte und Gemüse ersetzt.

Diese kalorienarme Pflanzenkost verdauen Faultiere aufgrund ihrer niedrigen Stoffwechselrate nur sehr langsam. Um Energie zu sparen, pflegen die Regenwaldbewohner einen äußerst gemächlichen Lebenswandel und legen selten mehr als hundert Meter am Tag zurück. Das Zeitlupentempo dient aber auch der Tarnung. Denn durch ihre langsamen Bewegungen bleiben Faultiere in ihrer Heimat, dem nördlichen Amazonasbecken, leichter von Fressfeinden wie Jaguaren, Ozelots und Harpyien unentdeckt.

Ob der jüngste Sprössling des Wilhelma-Zuchtpaars nun ein Junge oder ein Mädchen ist, kann man derzeit noch nicht sagen. Da sich das Geschlecht bei Faultieren nur sehr schwer bestimmen lässt, wird erst die genetische Untersuchung einer Haarprobe Aufschluss geben. Bis dahin bleibt das Kleine noch namenlos, ist aber für die Gäste der Wilhelma vor allem bei der Fütterung am Vormittag bereits gut zu beobachten.     (pm)


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