Dialogwerkstatt Esslinger Neckaruferpark: Stadtbalkon am Fluss geplant

Symbolbild

Die Stadt Esslingen hat das Grundstück am Neckarradweg von der Deutschen Bahn erworben. Nun plant man dort einen Neckaruferpark für die Naherholung anzulegen. Hierzu fand am Donnerstag ein Austausch mit den Esslinger Bürgern statt. Auch der ADFC war vor Ort.

Von Alexander Kappen

Esslingen. Der große Kreissaal des CVJM platzte am Donnerstagnachmittag aus allen Nähten.Rund 80 interessierte Esslinger Bürger und Vertreter von Interessengruppen waren erschienen, um sich zu informieren und eigenen Wünsche mitzuteilen.Hier fand von 17 bis 20 Uhr eine Dialogwerkstatt zum geplanten Neckaruferpark statt.Die Stadt Esslingen hat das   19 000 Quadratmeter große Grundstück am Fluss 2018 von der Deutschen Bahn erworben. Dieser Grünstreifen reicht von den Gleisen bis hin zum Neckar in der Breite und in der Länge von der Pliensaubrücke bis zum Wehrneckar in Richtung Mettingen. Man möchte daraus ein Naherholungsgebiet machen. Der Esslinger Gemeinderat hat für die Realisierung eine Summe von 1,8 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Der Beginn der Bauphase für den Neckaruferpark ist für die kommenden Jahre geplant. Der Abschluss der Planungsphase ist für Ende dieses Jahres angedacht. Bisher existiert lediglich eine kleiner Grünstreifen hin zum Neckar. Zudem machte das Naturgrundstück bisher leider  eher einen verwilderten und ungepflegten Eindruck. Das soll sich nun ändern. Im September 2019 tauschte man sich bereits an einem „runden Tisch“ über den Neckaruferpark aus. Im Oktober 2019 fanden zwei Bürgerspaziergänge statt. Die Dialogwerkstatt soll die Planungsphase nun abschließen. Anschließend werden „Nägel mit Köpfen“ gemacht. Betroffene Interessengruppen schilderten ihre Sicht der Dinge und versuchten einen gemeinsamen Konsens zu finden.

Auch der Kreisverband des ADFC Esslingen war im Großen Kreissaal des CVJM vertreten. Verkehrspolitik-Experte Eberhard Grille vom Vorstand und Thomas Rumpf der Vorsitzende waren erschienen und arbeiteten in den einzelnen Workshop-Gruppen mit, um die Interessen der Fahrradfahrer best möglichst zu vertreten. Sie setzten sich beide für die zufriedenstellende Realisierung des angedachten Schnellradweges durch Esslingen ein. „Der sollte mindestens vier Meter breit werden und natürlich eine Trennung von den Fußgängern beinhalten“, forderten die beiden ADFC-Vertreter. Der aktuelle Neckarradweg ist übrigens höchstens zwei Meter breit und wimmelt vor Unebenheiten durch Dreck und Wurzeldurchbrüche. Beim Radeln am Neckaruferweg wird man aufgrund der geringen Breite beim Passieren jeden Fußgängers regelmäßig „ausgebremst“.

Der Neckartal-Radschnellweg ist vom Land bereits beschlossen. Es liegt mittlerweile hierzu eine Machbarkeitsstudie vor. Zurzeit sucht man dafür ein Planungsbüro. Dies soll bis Ende 2020 geschehen und dann im Gemeinderat präsentiert werden.

In Sachen Neckaruferpark ist bereits ein Büro gefunden. Das Landschaftsarchitekturbüro WGF aus Nürnberg wird die Planung des Esslinger Neckaruferparks übernehmen. Dabei sollen aber die Ideen der Esslinger Bürger berücksichtigt werden. Am Beginn der Dialogwerkstatt bat deshalb WGF-Landschaftsarchitektin Luisa Vogel um zahlreiche „hilfreiche Ideen“ der ortskundigen Gäste. Diese teilten sich in sieben Arbeitsgruppen auf, die wiederum zu sechs verschiedenen Stellen des geplanten Neckaruferparks Ideen und Anregungen sammelten. Die Aufschriebe nahmen die Mitarbeiter zur Auswertung mit ins Büro nach Nürnberg. Jede Gruppe präsentierte anschließend ihre Ergebnisse den anderen Gruppen.

Das Nürnberger Planungsbüro hat bereits eigene Ideen für die Neugestaltung der Esslinger Uferlandschaft: Der Pliensauturm soll komplett freigelegt werden und durch eine große Freitreppe mit dem Neckaruferweg verbunden werden. Die Bahnhofsunterführung soll von den Treppen hin zum Neckar befreit werden. „So entsteht viel mehr Platz“, führte Architektin Luisa Vogel aus. Zudem plant das Büro einen sogenannten „Stadtbalkon“ am Fluss. „Hier kann man einen tollen Blick auf den Neckar genießen“, erklärte das Nürnberger Planungsbüro. Der Stadtbalkon besteht aus einer Art Hochplateau mit einem Holzparkett-Boden. Hier sind zahlreiche Sitzgelegenheiten angedacht. So sitzt man direkt am Neckar. Das von vielen Bürgern aus dem Raum Stuttgart geforderte Motto „Mehr Spaß am Fluss“ scheint im Esslinger Neckaruferpark Wirklichkeit zu werden.   

Die einzelnen Gruppen der Dialogwerkstatt waren sich anschließend alle einig. Man forderte mehr Licht am Neckar, mehr neue Mülleimer, ein Café am Fluss, einen großen Fahrradabstellplatz beim Bahnhof (Neckarseite) und eine Entschärfung der Kreuzungsbereiche. Dies betrifft vor allem die beiden Kanuvereine 1845 Esslingen und Mettingen. Hier kommt es beim Kanutraining regelmäßig zu gefährlichen Begegnungen mit Radlern und Fußgängern. „Wir schlagen vor, den Radschnellweg hinter unserem Vereinshaus vorbei zu legen“, sagte ein Mitglied des Esslinger Kanuvereins hierzu.

Der ADFC forderte einen sicheren Radschnellweg, der breit genug ist, damit sich Radler und Fußgänger nicht in die Quere kommen.Der ADFC ist der ADAC für Radfahrer. Hier gibt es auch einen Pannendienst für Mitglieder, die mit ihrem Fahrrad liegengeblieben sind. Mehr Infos wie immer im Netz: www.adfc.de


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