Neue Taubentürme in Stuttgart

Tier Pixabay / CC0

Es gibt nur wenige Tiere, die so stark polarisieren: die Taube wird verehrt oder verachtet. Einerseits steht sie in zahlreichen Kulturen für Freiheit und Liebe. Man denke dabei nur an die Turteltaube. Sie gilt außerdem als Friedenssymbol und wurde bei großen Veranstaltungen in den Himmel entlassen. Bei den Olympischen Spielen in Seoul 1988 flogen allerdings einige der Vögel in die Olympischen Flamme und verbrannten. Seitdem stellt man die Tauben nur noch grafisch oder choreografisch dar.

Seit Jahrhunderten werden sie auch als Transportmittel eingesetzt. In den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts brachten Zuwanderer aus Ostpreußen den (Brief-)Taubensport ins Ruhrgebiet, wo heute noch die unter Denkmalschutz gestellten Kolonien in den Zechensiedlungen zu sehen sind.
Andererseits werden sie respektlos als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet, die insbesondere in Großstädten zur Plage werden können.

Der Mensch ist allerdings nicht unschuldig an solchen Entwicklungen. Obwohl ein Taubenfütterungsverbot besteht, locken vermeintliche Tierfreunde die Vögel durch regelmäßige Fütterungen an. An diesen Orten bestehen allerdings sehr selten Schlaf- und Nistplätze, sodass die Tiere auf die Fütterungen angewiesen sind und sich unkontrolliert vermehren.
Während mancherorts mit Raubvögeln gegen die Tauben vorgegangen wird, gehen Städte wie Augsburg oder Stuttgart andere Wege: In der baden-württembergischen Landeshauptstadt gibt es seit zehn Jahren ein Taubenmanagement von der Stadt und dem örtlichen Tierschutzverein, um die Situation zu entschärfen. Die Erfolge sind mittlerweile sichtbar. Durch die Errichtung von Taubenhäusern, -türmen und -schlägen soll eine dauerhafte und tierfreundliche Lösung des Problems erreicht werden.

Das Prinzip ist einfach: In die Taubentürme ziehen die Vögel ein. Sie legen dort ihre Eier, die von den Mitarbeitern eingesammelt und durch Kunststoffeier ersetzt werden. Bis Ende 2017 wurden auf diese Weise rund 20.000 Eier eingesammelt. Die Population kann damit eingedämmt werden. Gefüttert werden sie mit Körnermischungen, sodass sich die Vögel fast durchweg in den Taubenhäusern aufhalten und nicht auf Nahrungssuche in Fußgängerzonen oder auf Balkonen gehen müssen.

Die Erfolge geben den Initiatoren recht: Im Jahr 2009 wurde ein Taubenhaus auf dem Parkhaus Mühlgrün in Bad Cannstatt errichtet. Heute ist die angrenzende Grünanlage fast taubenfrei und wurde neu gestaltet. Im Jahre 2015 wurde das Projekt mit dem Landestierschutzpreis ausgezeichnet.

Acht weitere Taubenhäuser im Stuttgart und dessen Teilorten wurden mittlerweile errichtet. Darunter auch ein neuer Taubenturm am Sailerwasen, der Platz für rund 200 Vögel bietet. Ein Turm in derartiger Größe gibt es bislang lediglich in Tübingen, Mosbach und Augsburg. Kurz nach Inbetriebnahme sind bereits zwei Dutzend Vögel dort eingezogen.

Die Stadt und der Tierschutzverein hat einen neuen Flyer drucken lassen, der über die bisher existierenden Taubenanlagen im Stadtgebiet informiert. Zudem halten sie Ausschau nach weiteren Standorten und sind offen für Standortvorschläge aus der Bevölkerung. Weitere Informationen zum Projekt gibt es auch online unter www.stadttauben-stuttgart.de.


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