Tourismus BW 2017: Der Boom hält an

Stuttgart Tourist

Seit rund 7 Jahren erreichen sowohl die Gästezahl als auch die Übernachtungen in den Beherbergungsbetrieben im Ländle Jahr für Jahr neue Spitzenwerte. Diese Entwicklung setzte sich nach Angaben des Statistischen Landesamtes auch im vergangenen Jahr weiter fort.

Von Dirk Meyer

Stuttgart. Die Gästeankünfte übertrafen – abgesehen von den Monaten Mai und Juni – in allen restlichen Monaten das Ergebnis von 2015; die Übernachtungen verfehlten den Vorjahreswert lediglich im Juni. Danach kamen im Jahr 2016 in Beherbergungsbetrieben mit 10 und mehr Betten oder Stellplätzen 0,6 Millionen oder 3 Prozent mehr Gäste in einer Unterkunft an als 2015. Die Ankünfte erhöhten sich dadurch erstmals auf fast 21 Mill. Die für das Gewerbe bedeutendere Übernachtungszahl nahm um 1,3 Mill. oder 2,5 Prozent auf den neuen Rekordwert von 52 Mill. zu.

Auch wenn sich die positive Gesamtentwicklung nahtlos an die Vorjahre anschloss, zeigten die verschiedenen Tourismussegmente doch Abweichungen vom zuletzt geltenden Muster.

Insbesondere stagnierten die Übernachtungen von Auslandsgästen im Jahr 2016, nachdem sie seit 2010 stets überdurchschnittlich zugenommen hatten. Mit 11,2 Mill. verharrten ihre Übernachtungen nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (+ 0,7 Prozent oder 83 000).

Die Zahl der Ankünfte ausländischer Gäste lag mit 4,9 Mill. nur noch um 1,4 Prozent oder 67 000 höher als 2015.

Der verhaltenen Entwicklung bei den Auslandsgästen stand 2016 jedoch ein deutlicher Zuwachs bei den Inlandsgästen gegenüber. Sowohl Gästeankünfte als auch Übernachtungen erreichten historische Spitzenergebnisse.

Die Zahl der Gäste aus Deutschland stieg gegenüber 2015 um 3,4 Prozent bzw. 535 000 auf 16,1 Mill., die Übernachtungen nahmen um 3 Prozent bzw. 1,2 Millionen auf 40,8 Mill. zu.

Damit basierte die positive Bilanz des Tourismusjahr 2016 auf der hohen Übernachtungsnachfrage inländischer Gäste. Die Entwicklung in den verschiedenen Marktsegmenten des Tourismus wurde demnach weiterhin wesentlich vom Verlauf dieser Gästegruppe geprägt.

Auch wenn sich der Übernachtungstourismus 2016 in den einzelnen Betriebsarten unterschiedlich entwickelte, überwogen die positiven Vorzeichen. So verbuchte unter den Betriebsarten die Gesamtheit der Hotellerie (Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen), als Kernbereich der Branche, einen Übernachtungszuwachs von 3,1 Prozent. Hier erfreuten sich – wie schon in den Jahren zuvor – die Hotels garnis auch 2016 zunehmender Beliebtheit (+ 8,7 Prozent).

Die Parahotellerie – hierzu können Einrichtungen wie Ferien- und Erholungsheime, Schulungsheime, Ferienwohnungen, Jugendherbergen oder Campingplätze gezählt werden – legte gleichfalls bei den Übernachtungen gegenüber 2015 zu (+ 2,1 Prozent). Allerdings zeigte sich auch innerhalb dieses Bereichs eine differenzierte Entwicklung.

So standen deutlichen Übernachtungszuwächsen bei Ferienhäusern- und -wohnungen (+ 3,7 Prozent) sowie beim Camping (+ 2,0 Prozent) und Jugendherbergen (+ 1,9 Prozent) Rückgänge bei Ferienzentren (− 3,6 Prozent) und Schulungsheimen (−1,1 Prozent) gegenüber. Die Übernachtungen in Vorsorge- und Reha-Kliniken stagnierten nahezu auf dem Vorjahresniveau (+ 0,5 Prozent). In der Gliederung nach Gemeindegruppen verzeichneten die Sonstigen Gemeinden (ohne touristisches Prädikat), zu denen die meisten größeren Städte des Landes gehören, einen Übernachtungszuwachs von 2,7 Prozent. Damit entfällt inzwischen auf die nicht prädikatisierten Gemeinden mehr als die Hälfte aller Übernachtungen. Bei den Gemeinden mit einem touristischen Prädikat übertrafen vor allem die Kneippkurorte ihr Übernachtungsergebnis aus dem Vorjahr besonders deutlich (+ 4,2 Prozent). Aber auch bei den anderen Prädikaten nahmen die Übernachtungen durchweg zu, und zwar in einer Spanne von 1,4 Prozent (Mineral- und Moorbäder) bis 2,9 Prozent (Erholungsorte). In eine ähnliche Richtung zielten die Ergebnisse nach Gemeindegrößenklassen.

So verbuchten 2016 die Gemeinden der Klasse zwischen 20 000 und 99 999 Einwohner überdurchschnittliche Übernachtungszuwächse (+ 3,8 Prozent), doch auch die Großstädte (über 100 000 Einwohner) zeigten mit einer Steigerung von 2,5 Prozent eine positive Entwicklung.

Abgesehen von den Verdichtungsbereichen im Ländlichen Raum konnten im vergangenen Jahr alle weiteren Raumordnungskategorien des Landesentwicklungsplans von 2002 ihre Übernachtungszahlen um rund 2,5 Prozent steigern.

In der regionalen Gliederung nach Reisegebieten zeichneten sich 2016 vor allem der Hegau (+ 8,8 Prozent), der Bodensee (+ 5,3 Prozent) sowie die Schwäbische Alb (+ 4,8 Prozent) durch überdurchschnittliche Übernachtungszuwächse aus.

Die restlichen Destinationen wiesen jedoch gleichfalls eine positive Übernachtungsbilanz auf.

Naturgemäß zeigen sich in den feineren Darstellungen nach Stadt- und Landkreisen im Vergleich zu den stärker aggregierten Gliederungen größere Veränderungen, da hier auch regionale Besonderheiten zum Tragen kommen.

So bewegten sich die Veränderungsraten der Übernachtungen 2016 im Vorjahresvergleich zwischen dem Rhein‑Neckar-Kreis mit einem Minus von 4,2 Prozent und dem Landkreis Tübingen mit einem Plus von 10 Prozent in einer beträchtlichen Spanne.

Mit 36 Kreisen wies eine deutliche Mehrheit der Stadt- und Landkreise eine positive Übernachtungsentwicklung auf. Immerhin 5 Kreise verbuchten dabei sogar kräftige Übernachtungszuwächse von 5 und mehr Prozent.

Dem standen sieben Stadt- und Landkreise gegenüber, die 2016 ihr Übernachtungsergebnis aus dem vorhergehenden Jahr – meist allerdings nur knapp – verfehlten. Die starke Nachfrage der Inlandsgäste im vergangenen Jahr trug wesentlich zur Fortsetzung des schon seit längerem anhaltenden Trend zum Städtetourismus bei. Rückläufig war in fast allen kreisfreien Städten – abgesehen von Stuttgart und Pforzheim – die Zahl der Ausländerübernachtungen.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus kann anhand des Indikators »Anzahl der Übernachtungen je 1 000 Einwohner« (auch Übernachtungsdichte genannt) gemessen werden. Bei diesem Maßstab stechen innerhalb Baden‑Württembergs insbesondere vier Kreise deutlich hervor, nämlich der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald, der Stadtkreis Baden-Baden sowie der Bodenseekreis und der Landkreis Freudenstadt. Im überdurchschnittlichen Bereich überwiegen zwar weiterhin die Landkreise. Die wachsende Bedeutung des Städtetourismus zeigt sich dadurch, dass inzwischen neben dem traditionellen Zielen Baden-Baden mit Heidelberg, Freiburg, Stuttgart und Ulm vier weitere Stadtkreise eine überdurchschnittliche Übernachtungsdichte aufweisen.

Starke Schwankungen im Jahresvergleich sind erwartungsgemäß auch bei den einzelnen Herkunftsländern der Auslandsgäste zu beobachten. So sind aufgrund der vergleichsweise niedrigen Absolutwerte insbesondere bei weniger bedeutenden Quellmärkten Veränderungsraten der Übernachtungen gegenüber dem Vorjahr, selbst im höheren zweistelligen Bereich, keine Seltenheit.

2016 zeigte sich jedoch auch bei den wichtigsten Herkunftsländern für den Landestourismus (mit 175 000 und mehr Übernachtungen 2015 oder 2016) eine ausgesprochen große Spannweite. So schlugen sich die Sanktionen gegenüber Russland in einem Übernachtungsrückgang der russischen Gäste im Südwesten um 15,2 Prozent nieder. Weniger Gäste kamen auch aus dem Vereinigten Königreich (−5,4 Prozent) sowie aus Italien und Spanien (−4 bzw. −1,3 Prozent).

Besonders stark war mit einem Rückgang der Übernachtungszahlen um 7,8 Prozent der asiatische Quellmarkt – über alle Länder hinweg – eingebrochen. Hier schlugen vor allem die Verluste bei den chinesischen Gäste, von denen fast −9,6 Prozent weniger Baden‑Württemberg besuchten zu Buche.

Doch auch Gäste aus den Arabischen Golfstaaten, die in der Vergangenheit immer mehr an Bedeutung gewannen, entschieden sich seltener für Baden‑Württemberg (−10 Prozent).

Bei allen anderen bedeutenden Quellmärkten wurden dagegen Übernachtungszuwächse erzielt. Besonders positiv entwickelten sich die Gästezahlen aus Frankreich, Österreich und den Vereinigten Staaten mit einem Plus von jeweils rund 6 Prozent.

Aber auch die Schweizer Bürger – mit 2,5 Mill. Übernachtungen die für den baden‑württembergischen Tourismus bedeutendste Nation – sorgten für einen Anstieg um 4,3 Prozent.


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