S-Bahn Stuttgart: Analyse der Verspätungen – Ursachen gefunden

S-Bahn-u1

Erste Simulationsergebnisse haben bestätigt: Engpässe im Betriebsablauf der S-Bahn sind auf mehrere Ursachen zurückzuführen. So stößt die Infrastruktur an einigen Stellen an ihre Leistungsfähigkeit wie zum Beispiel auf der Stammstrecke zwischen Hauptbahnhof und Schwabstraße. Auch der Mischverkehr von S-Bahnen, Regional- und Fernzügen auf denselben Gleisen führt zu Erschwernissen. Schon geringe Verspätungen wirken sich dadurch auf das ganze S-Bahn-System aus. Dies zeigt eine aktuelle Betriebssimulation. Ein Zwischenbericht verdeutlichte dem regionalen Verkehrsausschuss am Mittwoch die derzeitige Situation auf Basis des aktuellen S-Bahnfahrplans sowie im Hinblick auf alle weiteren Schienenverkehre. Die Untersuchung wurde auf Antrag der CDU-Fraktion vom Verband Region Stuttgart beauftragt, von der DB Netz AG durchgeführt und fachkundlich begleitet vom Verkehrswissenschaftlichen Institut an der Universität Stuttgart (VWI).

Fortsetung der Betriebssimulation der S-Bahn

Die Betriebssimulation wird fortgesetzt: Sie wird im Weiteren eine Vorausschau geben auf Grundlage des zukünftigen Fahrplanangebots und der Infrastruktur von Stuttgart 21. Diese Zukunftsanalyse soll in den nächsten Monaten vorliegen. Ergänzt wird die Simulation um eine Analyse, wie sich Maßnahmen für pünktlichere S-Bahnen zukünftig auswirken, so beschloss es der Verkehrsausschuss. Verkehrsdirektor Dr. Jürgen Wurmthaler betonte: „Es ist wichtig, die Schwachstellen im S-Bahn-Verkehr zu identifizieren und die Wirksamkeit von Maßnahmen für mehr Pünktlichkeit genau zu kennen. Auf Basis dieser Erkenntnisse können Qualität und Pünktlichkeit der S-Bahn noch zielgerichteter verbessert werden.“ Prof. Ullrich Martin (VWI) empfahl die Erkenntnisse aus der Betriebssimulation als „eine gute Entscheidungsgrundlage, um abzuschätzen, welche Maßnahmen sich besonders lohnen und in welcher Reihenfolge sie umgesetzt werden sollten.“

Landesschienenverkehre als wichtige Größe für S-Bahn Pünktlichkeit

Zudem wurde über die Pünktlichkeit des Schienenpersonennahverkehrs des Landes in der Region Stuttgart berichtet. Das geht auf einen weiteren Antrag der CDU-Fraktion zurück. So wirken sich Verspätungen anderer Zugverkehre auf Strecken mit Mischbetrieb direkt auf die Pünktlichkeit der S-Bahn aus. Das Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur hat die Pünktlichkeitswerte zum Landesschienenverkehr in diesem Zusammenhang zur Verfügung gestellt. Ein Vergleich mit der S-Bahn zeigt: Von 2012 bis 2014 gab es einen Abwärtstrend bei der „6-Minuten-Pünktlichkeit“ sowohl bei den Landesverkehren wie auch bei der S-Bahn, der sich im Jahr 2014 jedoch abschwächte. Konkret: Ende 2014 waren knapp 93 Prozent aller Landeszüge weniger als sechs Minuten verspätet, bei den S-Bahnen waren es fast 96 Prozent. Während sich die „6-Minuten-Pünktlichkeit“ der S-Bahn im Jahr 2015 um einen Prozentpunkt verbesserte, haben die Züge des Landes die Trendwende noch nicht geschafft. Dr. Jürgen Wurmthaler freute sich über die Stabilisierung der S-Bahn-Pünktlichkeit, wies aber auch darauf hin, dass auf dem Weg für ein besseres Schienennetzes notwendige Baustellen die Pünktlichkeit weiter beeinträchtigen können.

Rainer Ganske (CDU) bemängelte die Pünktlichkeitswerte des Landes, die „noch schlechter seien, als bei der S-Bahn“. Der Fahrgast wähle nach Bedarf zwischen beiden Verkehrsangeboten in der Region, also den S-Bahnen wie auch den schnellen Landesverkehren. Ganske verwies bei derartigen Verspätungen auf die Problematik verpasster Anschlüsse. Michael Lateier (Bündnis 90/Die Grünen) vermisste Aussagen zu den ausgefallenen Zügen. Für Thomas Leipnitz (SPD) sind die Verspätungswerte „wenig berauschend“. Es müsse sich zeigen, wie die Bonus- und Malusregelung im neuen Landesverkehrsvertrag greife.

Die leichte Stabilisierung der S-Bahn-Pünktlichkeit wird unterstützt durch Maßnahmen, welche die Regionalversammlung beschlossen hat, darunter der Kauf neuer Fahrzeuge, unter anderem für ein zeitsparenderes Wenden. Auch die zum letzten Dezember umgesetzten Fahrplanänderungen oder das zentrale Türschließen mit dem Einsatz von Monitoren beschleunigen den Betriebsablauf. (red/lm)

Anzeige

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *